Montag, 31. Dezember 2012

Zum Jahresende

Ihr Lieben,

das Jahr neigt sich mit beachtlicher Geschwindigkeit dem Ende zu, und allüberall trifft man auf die unterschiedlichsten Rückblicke. Von einer ausschweifenden Rückschau möchte ich Sie verschonen (zumindest vorerst :) ), aber einen kleinen Blick in die Vergangenheit möchte ich doch tun.
Das Jahr 2012 war für mich ein aufregendes Jahr, ein Jahr voller Veränderungen, voller Spannung und Vorfreude. Mein erster Krimi Friesensturm ist im März als Taschenbuch erschienen. Auch meine Kurzgeschichtensammlung Und dennoch ist es Leben und mein Kinderbuch Kleiner Held vom Fensterbrett sind inzwischen in gedruckter Form erhältlich, letzteres mit wunderschönen Zeichnungen von Andreas Koch, für die ich mich herzlich bedanke. Ich hatte auf mehreren Lesungen und sonstigen Veranstaltungen rund ums Buch Gelegenheit, meine Leser persönlich kennenzulernen und durfte viele interessante Gespräche führen.

Doch das Jahr 2012 brachte nicht ausschließlich schöne Erlebnisse mit sich. Auch im privaten Bereich hat sich vieles verändert. Ich habe gelernt, wie schnell das Schicksal manchmal zuschlägt und all unsere Pläne durcheinanderwirbeln kann, wie plötzlich Menschen aus unserer Mitte gerissen werden können, deren Anwesenheit für uns doch im Guten wie im Schlechten über lange Zeit selbstverständlich war.

Aber zurück zu meiner Arbeit, die selbstverständlich keineswegs ruht. Im Augenblick arbeite ich vorrangig an einer Fortsetzung des Friesensturm, einem neuen, abgeschlossenen Fall für meine beiden Protagonisten Thomas Berg und Freda Althuis. Außerdem ist da natürlich noch mein Lorchen, das hoffentlich bald als eBook erscheinen wird. Meinen Mysterythriller, der halbfertig auf meiner Festplatte wartet, habe ich aus organisatorischen Gründen vorerst zurückgestellt, ich werde ihn aber sicherlich im Laufe des neuen Jahres weiter verfolgen, denn die Idee und vor allem der dazugehörige Protagonist lassen mir keine Ruhe.

Typisch für den Jahreswechsel sind ja auch immer wieder die lieben guten Vorsätze, und natürlich habe auch ich welche, neben einem Quentchen mehr Disziplin, das ich mir gern aneignen möchte, habe ich dabei vor allem vor, wieder öfter und regelmäßiger in diesem Blog zu schreiben. Vielleicht haben Sie ja Lust, mir in einem kleinen Kommentar mitzuteilen, ob Sie irgendwelche Wünsche oder Vorschläge für die zukünftige Gestaltung von Blog Grün haben. Selbstverständlich würde ich mich auch über einen kleinen Gruß freuen.

Und um das neue Jahr auch gebührend einzuläuten, verlose ich unter allen Lesern, die mir bis zum dritten Januar 2013 einen kleinen Kommentar zu diesem Beitrag hinterlassen, eines meiner Bücher, und zwar wahlweise den Krimi, die Kurzgeschichtensammlung oder das Kinderbuch. Hier sind sie noch einmal alle drei zur Ansicht.



Ach ja, einen weiteren Vorsatz habe ich noch gefaßt: nach langem Überlegen, denn ich überlege immer ziemlich viel, habe ich mich entschlossen, auch hier das im Internet allgegenwärtige DU einzuführen.
Aber nun wünsche ich euch und Ihnen erst einmal alles Gute und auch weiterhin viel Glück, Gesundheit und Erfolg in allen Bereichen, die Ihnen am Herzen liegen.

In diesem Sinne...


Samstag, 22. Dezember 2012

Hilfe - Nur noch zwei Tage bis Weihnachten...

...und Sie wissen immer noch nicht, was Sie verschenken wollen? Ihr Weihnachtsgeld hat sich wie jedes Jahr auf mysteriöse Weise verflüchtigt, und der Chef hat sich geweigert, einen Nachschlag rauszurücken? Und wieder einmal wird pünktlich am 24. die ganze bucklige Verwandschaft vor Ihrer Tür stehen. Keine Sorge, hier finden Sie einige Anregungen, wie Sie auch mit begrenzten Mitteln noch schnell ein paar Überraschungen herbeizaubern können.

Ihnen geht schon seit Jahren auf die Nerven, wie Onkel Hugo die stetig weniger werdenden Haare über die Glatze bürstet? Zeigen Sie Mut zur Veränderung und verschenken Sie ein Toupet. Wenn die Zeit nicht mehr reicht, sich in einem Fachgeschäft nach einem solchen Prachtstück umzuschauen, tut es auch ein selbstgefertigtes Einzelteil. Wie wäre es mit ein paar Fransen von dem häßlichen gelben Teppich der Nachbarin, um den Sie alle zwei Wochen mühsam herumwischen müssen. Verwenden Sie als Vorlage ein Bild von Onkel Hugos Lieblingsprominentem und versuchen Sie, die Fransen mittels Flüssigkleber formschön anzuordnen. Ob Heino oder Justin Bieber, mit ein wenig Fingerspitzengefühl bleiben keine Wünsche offen. Für die Julia Roberts-Vatiante empfiehlt es sich, die Teppichfransen vorher eine Weile in Henna zu baden.

Auch Großtante Hildegard hat sich mal wieder angemeldet? Oh weh, denken Sie jetzt, die wird Ihnen mal wieder den Kühlschrank leerfuttern, nur um nach jeder einzelnen Bratwurst erneut darauf hinzuweisen, daß sie nächste Woche mit einer neuen Diät starten wird. Schenken Sie einen Sack Karotten, dazu ein altes Diätbuch und als Motivation einen Minirock in Größe 36. Ihre Tante wird in diesem Jahr sicherlich einen großen Bogen um Ihren Kühlschrank machen, falls sie überhaupt noch zum Essen bleibt.

Warme Socken eignen sich immer noch vorzüglich als Weihnachtsgeschenk, und wenn nach einigen Jahren die ersten Beschwerden über Fantasielosigkeit eintrudeln, verzweifeln Sie nicht. Erweitern Sie das Kunstwerk einfach um einen Wollfaden und Sie haben einen hervorragenden Nasenwärmer erschaffen und damit womöglich den nächsten Modetrend aus der Taufe gehoben.






Bei den lieben Kleinen liegen personalisierte Bücher hoch im Trend, doch leider ist Ihnen diese Idee erst heute gekommen, und sicherlich wird wieder der nette Nachbarsjunge vorbeischauen, der Ihnen jedes Frühjahr die Tulpen ruiniert. Was also können Sie tun? Sicherlich findet sich irgendwo auf dem Speicher noch eins Ihrer alten Kinderbücher. Befestigen Sie die losen Seiten sorgfältig mit Tesafilm, dann tragen Sie an allen wichtigen Stellen dick Tippex auf und ersetzen Pippi Langstrumpf durch Kevin Würfelhuber. Der Kleine wird seine helle Freude daran haben. Und die kleinen grammatikalischen Unebenheiten, die durch das veränderte Geschlecht auftreten dürften, wird er angesichts seiner letzten Zeugnisnoten vermutlich gar nicht bemerken.

Und was ist mit der Dekoration? Tja, das ist ein ernstzunehmendes Problem, aber glücklicherweise kein unlösbares. Ein paar Tannenzweige aus Nachbars Garten lassen die Wohnung gleich gemütlicher erscheinen. Und als besonderes Highlight für Ihre Besucher holen Sie einfach den alten Vibrator hervor, den Ihre Freundin Ihnen zum Fünfzigsten geschenkt hat. Genau, dieses lange Ding unten im Schrank, mit dem Sie vergeblich versucht haben, sich das Zahnfleisch zu massieren. Mit ein bißchen rotem Filz und Kosmetikwatte verwandelt er sich im Nu in einen herrlich brummenden Weihnachtsmann, der Kinderherzen höher schlagen läßt.

Sie sehen, es gibt keinen Grund zur Panik. Und sollten die lieben Verwandten entsetzt auf Ihre Kreationen reagieren, umso besser. Dann werden Sie eben spätestens 2013 endlich mal wieder eine wirklich friedliche Weihnacht erleben. 

Ihnen allen frohe und gesegnete Feiertage.


Donnerstag, 13. Dezember 2012

Der Gewinner des Adventsrätsels steht fest

Das Los ist gefallen. Heute morgen um halb acht hat meine kleine Glücksfee, selbstverständlich mit geschlossenen Augen, einen Namen aus unserem Verlosungshut gezogen.
Und gewonnen hat Heike Cornelissen!
Herzlichen Glückwunsch, liebe Frau Cornelissen. Das Überraschungspäckchen wird sich in den nächsten Tagen zu Ihnen auf den Weg machen. Vielen Dank selbstverständlich auch an alle anderen Teilnehmer und Leser dieses Blogs. Ich wünsche Ihnen allen weiterhin eine schöne Adventszeit.
Liebe Grüße

Birgit Böckli

Dienstag, 11. Dezember 2012

Post von Lore Teil XIII



Liebe Simone,

jetzt muß ich dir aber endlich erzählen, wie es auf der Weihnachtsfeier weitergegangen ist. Da stand ich also auf der Bühne, und unter mir die ganze Belegschaft, und plötzlich kamen die Leute von meinem Kurs durch die Tür. Mannomann, mein Gesicht in dem Moment hätte ich nicht sehen wollen, du. Einen Moment lang hab ich ja noch gehofft, daß mein Baschtl sich die zur Brust nimmt so von wegen geschlossene Gesellschaft und sie einfach mal eben an die Luft setzt, aber der hat das überhaupt nicht mitgekriegt. Bloß mich haben sie alle angeglotzt, und mir ist ganz schön der Schweiß ausgebrochen da oben. Na, und weil ich kein Feigling sein wollte, hab ich den Zettel mit meinem Gedicht genommen und einfach angefangen. War ja schließlich Zeit, daß mein Chef endlich mal aufwacht, manche Männer brauchen einfach einen kleinen Tritt in den Allerwertesten, gerade wenn es um die Liebe geht, stimmt`s?
„Oh, du schöner, blonder, holder“, hab ich angefangen, aber da ging unten plötzlich das Gerangel los, der Gerhard hat nämlich die Grete zur Seite geschubst, um besser sehen zu können, und die hat sich das natürlich nicht gefallen lassen. Aber ich laß mir doch von den Deppen nicht meinen Auftritt versauen. Ich hab immer noch gehofft, daß die Frau von dem Foto nur die Schwester vom Baschtl ist, obwohl er jetzt dauernd ihre Hand gehalten hat, und dabei soll sich ein Mensch auf so einen Kram wie Poesie konzentrieren. Nervensägen, allesamt. Und dann hat es mich plötzlich gepackt. Ich hab das Mikro ganz nah vors Gesicht gehalten und so laut reingerufen, wie ich konnte.
„Oh, du schöner, blonder, holder“, hab ich gebrüllt, und plötzlich war es ganz still im Saal. Eine Wohltat war das, bis diese dämliche Rückkopplung dazwischengekommen ist und mir meinen ganzen Reim versaut hat. Mir sind fast die Ohren weggeflogen, aber natürlich läßt sich dein Lorchen von so ein bissel Gequietsche nicht unterkriegen. „Oh, du schöner, blonder, holder Jüngling aus der Chefetage, heute endlich will ich’s wagen, Zierde meines tristen Lebens, wie vergebens, wären meine Tage ohne deine warme Sonne, welche Wonne…“
Ja, und dann stand der Baschtl plötzlich neben mir. Was das soll, hat er wissen wollen und versucht, mir das Mikro wegzunehmen.
Ich war aber schneller. „Aber das bist doch du“, hab ich gesagt und wollte ganz schnell von der Bühne runterhüpfen, aber weil das Kabel vom Mikro so kurz war, konnte ich nur im Kreis um ihn rumrennen, bis er eingewickelt war wie ein Rollbraten. Och, Simönchen, und dabei hatte ich mir alles so schön ausgemalt. Wir beide und sonst nichts als der Glühwein und das eine oder andere Weihnachtsplätzchen. Die Meyerling hätte vielleicht Augen gemacht, ich könnt wetten, die ist selber scharf auf meinen Wiesenhof-Baschtl. 
Aber leider ist es überhaupt nix geworden mit der Romantik. Der Baschtl hat ganz furchtbar angefangen zu schimpfen, und dann kam auch noch die Frau auf die Bühne gestolpert und hat mit ihrer dämlichen Handtasche nach mir gehauen, da waren mindestens Ziegelsteine drin, mein armer Kopf. Unten haben alle gegröhlt, nur die Grete, die hat laut geheult, als der Gerhard sie an den Haaren gezogen hat, weil sie ihm immer noch vor der Nase rumgetanzt ist. Und die Meyerling, die hat ihr Söhnchen an sich gedrückt und ihm die Augen zugehalten. So ein dürrer Typ aus der Buchhaltung hat Zugabe gebrüllt und dann hat der Baschtl auch gebrüllt, ganz laut, obwohl ich doch direkt neben ihm stand. „Gefeuert!“ hat er gebrüllt. Und daß ich mich bloß nicht mehr in seiner Firma blicken lassen soll.
Tja, und das war’s dann gewesen mit meiner hoffnungsvollen Karriere, man soll sich eben nicht auf eine Romanze mit seinem Chef einlassen, das bringt nur Ärger. Ich bin am nächsten Tag noch mit einem Versöhnungsblumentopf in die Firma, um mich beim Baschtl zu entschuldigen, aber die Meyerling hat mich nicht reingelassen und gemeint, der Herr Wiesenhof wäre heute für niemanden zu sprechen und für mich am allerwenigsten. Da hab ich mein Usambaraveilchen einfach wieder eingepackt.
„Wer nicht will, der hat schon“, hab ich gesagt und der Meyerling einen bitterbösen Blick zugeworfen.
Tja, und jetzt sitze ich wieder jeden Tag in meinem Kurs und stricke wie eine Verrückte, wo doch bald Weihnachten ist. Vielleicht kriege ich wenigstens noch die Socken für meinen Pizzabäcker fertig. Seine Schuhgröße weiß ich zwar immer noch nicht, aber mit Größe siebenundvierzig kann ich nix falsch machen, hab ich gedacht, wenn sie zu groß sind, soll er sie eben als Kniestrümpfe anziehen. Aber ich bin sicher, ich finde bald einen richtigen Job, so einen, bei dem man auch Urlaubsgeld bekommt und solche schönen Sachen. Drück mir die Daumen.
Bis bald
Dein Lorchen


Und damit, liebe Leser, endet die Vorgeschichte meiner Lore. Mehr von Lore Badowski wird es hoffentlich bald als eBook zu lesen geben. Wenn es soweit ist, erfahren Sie es selbstverständlich auf dieser Seite. Und jetzt wünsche ich Ihnen noch einen schönen Tag mit vielen Plätzchen und wenigen Alltagskatastrophen. :)
Herzliche Grüße

Birgit Böckli

Freitag, 7. Dezember 2012

Adventsrätsel fünfter Hinweis

Guten Morgen, liebe Leser!

Heute folgt der fünfte und letzte Hinweis in Form eines Wortes.
Anschließend haben Sie Zeit bis zum 12. Dezember, um mir ihren Lösungssatz (alle Worte in die richtige Reihenfolge gebracht) per Email mitzuteilen. Meine kleine Glücksfee wird dann den Gewinner des Überraschungspäckchens aus dem Hut ziehen. Ich wünsche Ihnen allen viel Glück und Spaß beim Rätseln.

Das heutige Wort lautet: süßer
Noch ein Tipp: Es handelt sich um den Titel eines bekannten Weihnachtsliedes.
Und ich mach mich jetzt ans Plätzchen backen. Ihnen allen einen schönen Tag und
liebe Grüße

Birgit Böckli

Hier geht es zu den Spielregeln und zum ersten Hinweis

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Adventsrätsel vierter Hinweis

Liebe Leser,

ich hoffe, Sie haben alle rechtzeitig Ihre Schuhe vor die Tür gestellt, damit der Nikolaus auch was hineinstecken konnte. Bei mir hat er, wie könnte es anders sein, einen Schokoladenweihnachtsmann dagelassen, damit ich auch nicht zu dünn werde. :o)

Heute wartet der vierte Hinweis auf Sie, vielleicht ahnen Sie schon langsam, um welchen Lösungssatz es sich handeln könnte.
Das heutige Wort lautet: KLINGEN

Viel Spaß beim Rätseln und einen schönen Nikolaustag
wünscht Ihnen
Birgit Böckli

Den fünften Hinweis finden Sie hier.

Und falls Sie gerade erst neu dazugestoßen sind und Lust haben mitzuraten, hier finden Sie die Spielregeln und den ersten Hinweis.

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Adventsrätsel dritter Hinweis

Einen wunderschönen guten Tag wünsche ich Ihnen allen.
Heute geht es weiter mit Hinweis Nummer drei.

Das Wort des Tages lautet: GLOCKEN

Allen weiterhin viel Spaß und bis morgen
Herzliche Grüße
Birgit Böckli

Hier finden Sie die Spielregeln und den ersten Hinweis.
Zum vierten Hinweis geht es hier entlang.

Dienstag, 4. Dezember 2012

Post von Lore XII



Liebe Simone,

was hab ich mich auf diese Weihnachtsfeier gefreut, das glaubst du gar nicht. Am Donnerstagmittag hatte ich mich endlich entschieden, was ich anziehen sollte. Nachdem ich den ganzen Kleiderschrank rausgekramt hatte, hab ich schließlich genau die Hose angezogen, die ich schon als allererste in der Hand gehabt hatte, dunkelblau mit weißer Bluse, ha, ich hab ausgesehen wie eine Seemannsbraut. Und um halb drei hab ich mich dann auf die Socken gemacht.
Der Hirsch ist ja vielleicht ein vornehmer Schuppen, ganz hohe Decken mit so nem weißen Stuckzeug, und dunkelgrüne Samtvorhänge, und überall Kerzen. Ich hab mir das aber erstmal alles brav von draußen angeguckt, wollte ja nicht zu früh da sein. Erst als der Kellner mich ganz böse angestarrt hat, weil ich die ganze Zeit vor seinem Terrassenfenster rumgeschlichen bin, bin ich dann doch reingegangen.
Mein Baschtl war noch gar nicht da, aber er hatte ein Nebenzimmer gebucht für unsere Party, so richtig schnuckelig war es da mit Plastiktanne und Schnapsbar für später, und an den Tischen saßen schon ein paar Leutchen und haben Marmorkuchen gemümmelt. Die meisten hab ich zum ersten Mal gesehen, scheinen sonst nie aus ihren Büros rauszukommen, aber die Meyerling, die hab ich gleich erkannt. Anscheinend hatte sie ihre Diät für ein Weilchen an den Nagel gehängt, jedenfall hat sie jedesmal, wenn keiner hingeguckt hat, eins von den Lebkuchenherzen vom Tisch gemopst und ganz schnell im Mund verschwinden lassen. Ich hab das aber gar nicht eingesehen, daß die die ganzen Herzen alleine futtert, bloß weil sie die Sekretärin vom Chef ist, also hab ich mich direkt gegenüber hingesetzt und mitgegessen. 
Neben mir saß noch ein Ehepaar, die kannte ich überhaupt nicht. Der Mann hat die ganze Zeit mit einem riesigen Stofftaschentuch an seiner roten Rentiernase rumgetupft, und die Frau, das war so ne ganz feine, die hat den kleinen Finger schon abgespreizt, bevor sie die Kaffeetasse überhaupt in der Hand hatte. Ich hab bloß gehofft, daß der Mann mich nicht ansteckt mit seinem üblen Schnupfen. Gegenüber, neben der Meyerling, saß so ein dürrer Hering, das war wohl ihr Mann, wahrscheinlich bekommt er zu Hause selten was zu essen ab, der hat ganz gierig die Lebkuchenherzen angestarrt, aber gegessen hat er nicht eins davon, vielleicht hatte er Angst, der Ärmste. Ein Kind hatten sie auch noch dabei, das war genauso dünn wie der Vater, so ein blasser Junge mit wilden Flatterohren, die sind mindestens zehn Zentimeter vom Kopf abgestanden. 
Ich hab mir ein Kännchen Kaffee und ein Stück Stollen bringen lassen und gehofft, daß die Rechnung aufs Haus geht, und dann ging auch plötzlich die Tür auf, und es kamen noch eine ganze Menge Leute rein, vielleicht von einer anderen Filiale, die Wiesenhoffirma stellt nämlich Kochtöpfe her, und da gibt es auch noch ein Außenlager irgendwo hinter Neckarau. Und dann ist doch tatsächlich mein Baschtl auf die Bühne gegangen. Vor lauter Mitarbeitern hatte ich den gar nicht gesehen. Fesch hat er ausgesehen in seinem Anzug, und er hat nur mich angelächelt, da war ich mir ganz sicher.
„So, jetzt geht es mit dem Programm los“, hat er nach der Begrüßung gesagt, und daß sie da einiges vorbereitet hätten. Oje, und damit fing die ganze Bescherung an. Da kamen nämlich die Kinder von den Mitarbeitern auf die Bühne, eins nach dem anderen, um uns was vorzuspielen. Die zwei kleinen Zwockel mit ihrem Oh du Fröhliche, die haben das ja noch ganz gut hingekriegt, aber dann hat sich ein Mädchen die Blockflöte gegen die Schneidezähne gekloppt und furchtbar zu plärren angefangen. Später kam der Robert dran, das war der blasse Sohn von der Meyerling, der hat schon vorher geschlottert, du. Er hat versucht, ein Gedicht aufzusagen, aber das hat nicht so richtig geklappt. Wär ja auch nicht schlimm gewesen, schlimm war nur die Meyerling, die bei jeder Zeile ihren Mann angestoßen hat, so richtig fest mit dem Ellbogen gegen die Rippen. „Das ist meiner“, hat sie trompetet. „Der da vorne, das ist meiner.“
Der Robert war aber wohl ziemlich froh, als er endlich wieder von der Bühne runter durfte, so froh, daß er die letzten drei Stufen fast noch ausgerutscht wär, und die Meyerling ist ihm um den Hals gefallen wie eine Bekloppte.
Ich hab die ganze Zeit geschaut, wo mein Baschtl sich rumtreibt, aber der war überhaupt nicht zu sehen, und dann hab ich ihn schließlich gefunden, mit einer Frau saß er da rum, zwei Tische weiter, das war die Tussi von dem Foto in seinem Büro, und das Kind war auch dabei. Und wie er seine Hand auf ihre kleine rosa Patschhand gelegt hat, da ist mir fast mein Stollen im Hals stecken geblieben, und ich war mir plötzlich nicht mehr so sicher, ob das wirklich seine Schwester war.
Inzwischen waren die beiden Geigenspieler zum Glück auch fertig, mir haben schon ordentlich die Ohren weh getan, und der Baschtl ist wieder aufgestanden und wollte nach oben gehen, aber ich hab ihn gerade noch rechtzeitig abgefangen.
„Ja, was denn?“ hat er gefragt und mich ganz verdutzt angeguckt. Und da hab ich meinen ganzen Mut zusammengenommen. „Ein Gedicht“, hab ich gesagt. „Es kommt noch ein Gedicht.“
Ich hatte ja eigentlich erwartet, daß er sich geschmeichelt fühlen würde, aber er hat mich bloß ganz seltsam gemustert.
„Das steht aber nicht im Programm“, hat er gemeint und dann mit den Schultern gewackelt. „Sie können dichten?“
„Na, und wie!“ Ich hätte gern noch viel mehr gesagt, aber ich mußte doch auf die Bühne, bevor er es sich noch anders überlegen und das Programm für beendet erklären konnte, also bin ich hoch und hab mir das Mikro geschnappt. Von da oben sah das aber plötzlich nach viel mehr Leuten aus. Mir ist richtig schwindlig geworden, und ich hab in der Hosentasche ewig nach dem Zettel gesucht, weil ich doch den Text immer vergesse.
„So, Lorchen“, hab ich mir gesagt. „Und jetzt haust du sie alle aus den Socken.“ Hätte ich bestimmt auch geschafft. Aber in dem Moment ging die Tür auf, und es kamen noch ein paar Leute rein, eine davon mit einem ganz breiten Grinsen im Gesicht. Ja, und das war die Grete!
Aber wie es weitergegangen ist, das erzähle ich dir nächste Woche.
Mach’s gut und bis Dienstag

Dein Lorchen

Adventsrätsel zweiter Hinweis

Liebe Leser,

und schon geht es weiter mit meinem Adventsrätsel.
Der heutige Hinweis lautet: NIE

Die Spielregeln und den ersten Hinweis finden Sie hier.
Hier geht es zum dritten Hinweis.
Ich wünsche allen Teilnehmern viel Glück und einen schönen Tag

Birgit Böckli

Montag, 3. Dezember 2012

Adventsrätsel




Da ist sie ja endlich, die liebe Adventszeit, und um auch auf Blog Grün die Vorweihnachtswochen gebührend einzuläuten, gibt es ab heute ein kleines Weihnachtsrätsel, und das geht so:

Hier auf Blog Grün wird es diese Woche von Montag bis Freitag jeden Tag einen Hinweis in Form eines einzelnen Wortes geben. Diese fünf Worte ergeben, in die richtige Reihenfolge gebracht, den Lösungssatz, den Sie mir bis einschließlich Mittwoch, 12. Dezember, per Email mitteilen können.


Unter allen richtigen Antworten wird ein weihnachtliches Überraschungspäckchen verlost, das sich dann auch sofort auf die Reise machen darf. Der Gewinner wird am Donnerstag, 13. Dezember bekannt gegeben.
Bitte die Lösung NICHT auf diesem Blog oder an anderer Stelle öffentlich posten, es werden nur Antworten per Mail berücksichtigt.

Ich wünsche allen Teilnehmern viel Glück und eine schöne, besinnliche Vorweihnachtszeit.

Und los geht es mit Hinweis Nummer 1
Das heutige Wort lautet: DIE

Hier geht es zum zweiten Hinweis.


Dienstag, 27. November 2012

Post von Lore Teil XI



Liebe Simone,

nachdem ich die Einladung zur Betriebsfeier gefunden hatte, war erstmal alles wieder in Ordnung. Ich hab mir schon vorgestellt, wie ich mit meinem Baschtl zusammen Weihnachtslieder gröhlend den Glühwein kille, aber all meine Tagträume hatten irgendwie so einen kleinen Haken. Und morgens beim Zähneputzen ist mir dann endlich auch klar geworden, wo das Problem lag. Der Baschtl hatte mich nämlich bisher kaum wahrgenommen, oder er hat jedenfalls so getan. Und da ist mir einer von Mamas Sprüchen eingefallen: Männer wollen erobert werden! Na, und weil die meisten Männer eben nicht ganz so gut auf vorsichtige Hinweise reagieren, hab ich beschlossen, daß es eben ein bißchen mehr sein muß. 
Wahrscheinlich haben die Männer das noch aus der Urzeit, kann ihnen ja keiner verübeln, mein Wiesenhof-Baschtl hätte jedenfalls bestimmt einen prima Mammutjäger abgegeben, und wo ich mich doch auch viel besser auf Zaunpfähle verstehe als auf zarte Hinweise, hab ich gedacht, da paßt das doch prima zusammen. Und was ist schon dabei, wenn alle im Betrieb erfahren, daß wir uns mögen? Simönchen, das war vielleicht eine Erkenntnis, mir ist es gleich viel besser gegangen, jedenfalls, bis ich mich an der Zahnpasta verschluckt hab, das war dann nicht mehr ganz so toll.
Und weil es noch so früh war, bin ich schnell in den Supermarkt rüber, noch ein paar Sächelchen für die Mittagspause einkaufen. Ich war aber die ganze Zeit so in Gedanken, daß ich alles umgerannt hab, zuerst die Hundefutterpyramide, was stellen die das Zeug auch mitten im Gang auf, und später eine ältere Dame, die sich gerade nach den Maccaroni gebückt hat. Die hat vielleicht gekeift, als ich ihr den Wagen gegen den Steiß gerammt hab. Ich bin ganz rot geworden, und wie sie sich dann umgedreht hat, hab ich vor lauter Schreck auch noch Schluckauf gekriegt. Das war nämlich gar keine Dame, das war die Meyerling, die bösartige Sekretärin vom Baschtl.
„Sie schon wieder!“ hat sie gesagt und mich ganz gruselig angeguckt, wie so eine Voodoohexe hat die ausgesehen, und ich hab gedacht, ich muß sie schnell besänftigen, bevor sie mir am Ende noch irgendeinen Fluch anhängt, ein drittes Ohr oder sowas. Weiß man ja schließlich nie, was die grad so im Schilde führen, diese Chefsekretärinnen. Also hab ich mich ganz artig bei ihr entschuldigt. Ich wollte ihr noch das Hinterteil abklopfen, aber das hat sie sich nicht gefallen lassen.
„Bis Sonntag“, hab ich noch gesagt und wollte mich gerade aus dem Staub machen, aber da hat mich die Meyerling ganz mißtrauisch angestiert. „Wieso denn Sonntag?“ hat sie wissen wollen und ein ganz spitzes Raubvogelgesicht gemacht.
Ich hab versucht, den fluchenden Verkäufer zu ignorieren, der im Mittelgang wieder das Hundefutter aufgestapelt hat. „Na, nun sagen Sie bloß, Sie kommen nicht zur Weihnachtsfeier?“ hab ich sie gefragt und ein ganz trauriges Gesicht gezogen, als ob es an einer Weihnachtsfeier nix schöneres gäbe, als mit der Meyerling zusammen Plätzchen zu essen. Innerlich hab ich natürlich längst OH Du Fröhliche geträllert und gehofft, sie erzählt mir jetzt gleich, daß sie an dem Tag leider gaaar keine Zeit hat.
Den Gefallen hat sie mir aber nicht tun wollen. Stattdessen hat sie sich zu ihrer vollen Größe aufgerichtet, und die ist mindestens ein Meter fünfundsiebzig, und hat mich von oben runter ganz entsetzt angeguckt und dabei an ihrer Brille gewackelt, als wäre die Schuld daran, daß sie mich vor sich sieht. „Haben Sie etwa auch eine Einladung bekommen?“ hat sie geflüstert und ist bei jedem Wort leiser geworden. Und daß die Feier ja nur die Angestellten betreffen würde.
Das hat mich dann schon ein bißchen geärgert, wo ich doch schon seit ein paar Wochen bei ihnen die Klos sauber mach, und jetzt soll ich plötzlich keine Angestellte sein. Aber ich hab sie nur ganz freundlich angestrahlt.
Die Meyerling hat plötzlich kaum noch Luft bekommen, naja, vielleicht war ihr Schal auch bloß zu eng gebunden, und dann hat sie sich umgedreht und ist einfach gegangen. Dabei wäre sie beinahe selbst in die Hundefutterdosen reingerannt.
Ich hab mir aber die Laune nicht vermiesen lassen. Als ich nämlich an der Kasse stand, da ist mir endlich eingefallen, wie ich den Baschtl am besten auf mich aufmerksam machen kann. Wozu ist man schließlich eine Poetin? Und ich hab mir vorgenommen, ein richtig weihnachtliches Liebesgedicht für ihn zu schreiben, und irgendwann, wenn die Kinder von den Angestellten ihre schrecklichen Lieder auf der Blockflöte vorgespielt haben, dann stell ich mich einfach auf die Bühne und lese es vor. Nur für ihn, und ich bin sicher, er wird dahinschmelzen wie Schokolade in der Hosentasche.
Bei dem Gedanken war ich richtig glücklich, aber dann mußte ich wieder in meinen EDV Kurs.
Zuerst war ja alles noch ganz erträglich. Der Römer hat was von Formatvorlagen gequasselt, die Gisela und ihre Freundin haben mit ihren Plätzchentüten geraschelt, und ich hab versucht, ein Gedicht für die Weihnachtsfeier zu schreiben. Die ersten zwei Zeilen hatte ich eben fertig, als die Pause anfing, und plötzlich stand mal wieder die Grete vor mir mit ihrem üblichen Trupp dummer Hühner, und alle haben mir über die Schulter glotzen wollen.
„Oho“, hat die Grete gejodelt mit ihrer komischen Quakstimme. „Da haben wir ja die Künstlerin bei der Arbeit.“ Und sie hat sich mal wieder über mich lustig machen wollen. Ob es denn nicht bald mal eine richtige Lesung geben würde, hat sie gefragt, damit mein Genie auch ein bißchen an die Öffentlichkeit darf, frische Luft schnappen sozusagen.
Ich weiß ja, daß man sich nicht provozieren lassen darf, aber die hat so eine Art, daß ich ihr pausenlos irgendwelche Sahnetorten ins Gesicht klatschen möchte, ehrlich.
Auf jeden Fall ist mir irgendwann der Kragen geplatzt, weil die alle so doof gekichert haben, und da hab ich gesagt, daß ich am Sonntagnachmittag für eine Betriebsfeier im Goldenen Schwanen gebucht bin.
Da sind die alle plötzlich ganz still geworden, bloß die Grete hat weiter blöde gegrinst. „Soso“, hat sie gesagt und den anderen einen ganz komischen Blick zugeworfen.
Ja, und damit hatte ich dann ein Problem, und das nur, weil ich mal wieder den Schnabel nicht hab halten können, und ich hab nur gehofft, daß keiner von den Trullas bei unserer schönen Weihnachtsfeier auftaucht. Aber wie es weitergegangen ist, das erzähle ich heute noch nicht. Da mußt du schon bis zum nächsten Dienstag warten.
Bis dahin viele Grüße

Dein Lorchen