Dienstag, 31. Januar 2012

Vorsicht frisch gestrichen! (Wenn Figuren abfärben)

Natürlich ist es in erster Linie ein Klischee, wenn manche Leute behaupten, Herr und Hund würden sich über die Jahre immer ähnlicher werden. Oder vielleicht doch nicht? Vor allem in der Promiszene begegnet man hin und wieder doch jenen berühmten Ausnahmen, auf die diese Behauptung tatsächlich zuzutreffen scheint. Da gleichen sich Nase und Schnauze, Körperbau oder, wobei hier meist künstlich nachgeholfen wurde, gar der Farbton von Fell und Haupthaar. Witzig? Skurril? Erschreckend?

Und wenn dem so ist, worin liegt die Ursache begründet? Natürlich könnte man jetzt anführen, daß dies in den seltensten Fällen ein Zufall ist, daß sich die Menschen oftmals gezielt einen Hausgenossen aussuchen, der in irgendeiner Form den eigenen Gewohnheiten und Bedürfnissen entspricht. Was diese Gedankengänge auf einem Autorenblog zu suchen haben, möchten Sie wissen? Nun, es handelt sich ganz einfach um eines der vielen Rätsel dieser Welt, das mir zu nachtschlafender Zeit durch den Kopf schwirrte. Was mich aber besonders dabei beschäftigte, und hier kündigt sich schon die Parallele an, war die Vorstellung, diese Hypothese weiterzuspinnen.
Wenn es also wirklich jene Ähnlichkeit gibt, die völlig unbeabsichtigt über die Jahre entsteht, einfach durch das gemeinsame Miteinander, was würde dann erst mit Autoren geschehen, die sich doch oftmals über Monate bis Jahre intensiv mit ihren Figuren beschäftigen?

Na, das wäre ja zu schön, werden jetzt alle Urheber romantisch-verklärter Liebesepen rufen, wenn ich auch so einen Traumkörper hätte wie mein Protagonist, keinen Haarausfall mehr, dazu noch sein Gehalt, das passende Auto und auf Schritt und Tritt das Seufzen unzähliger junger Mädchen in den Ohren. Stimmt, das wäre es zweifellos. Vorausgesetzt, man schreibt im richtigen Genre.

Und da wir uns hier auf einem Autorenblog befinden und ich selbst eher wenig Ahnung von Hunderassen habe, denn mein derzeitiges Haustier schwimmt in einem Aquarium umher und sieht mir ganz und gar nicht ähnlich, kam mir die Idee, diese Vorstellung ein wenig auszubauen, und zwar in einer kleinen Geschichte.
Der Hauptakteur meiner Geschichte ist, wie sollte es anders sein, ein Autor, und er hat es manchmal nicht leicht, mit seinen Fantasiegeschöpfen fertig zu werden. Obwohl seine Frau es noch deutlich schwerer haben wird...

"Nein, nein und nochmals nein!" Frieda wedelte energisch mit dem neuen Vertrag, der gerade erst mit der Post ins Haus geflattert war. "Noch einmal mache ich sowas nicht mit."
Dunkelhorst, der mit bürgerlichem Namen der Einfachheit halber Horst Dunkel hieß, räkelte sich in seinem Lieblingssessel und betrachtete die Tanzgruppe im Fernsehen. Den Ton hatte seine Frau mal wieder abgestellt, wie immer, wenn es etwas zu diskutieren gab.
"Aber Süße", seufzte er und verschanzte sich hinter seiner Kaffeetasse. "Es ist doch nur ein Buch."
"Na klar, sind ja alles nur Bücher." Frieda nickte zu dem wackligen Eckregal hin, in dem eine ganze Reihe seiner Werke stand, alle mit den typischen grünen Buchrücken. Vamirtage, der Werwolf von Liverpool, Neues vom Kopflosen...
Frieda machte eine abfällige Geste, aber sie wagte nicht, die Einbände zu berühren. Eine Mischung aus Angst und Hoffnung stahl sich auf ihr Gesicht, für das Horst sie hätte küssen mögen, wäre der Weg nicht so weit und der Sessel nicht so nachgiebig gewesen.

"Und sie haben uns bisher ganz gut ernährt", fügte er lächelnd hinzu.
Dieses Argument hatte noch immer gezogen, und es erfüllte auch jetzt seinen Zweck. Die Hände in den Taschen ihrer Strickjacke vergraben, ließ sich Frieda auf die Couch sinken. "Kannst du nicht mal was anderes schreiben?"
"Aber Liebling." Dunkelhorst gab seiner Stimme einen Verständnis heischenden Touch. "Die Leute erwarten Horrorgeschichten von mir. Und Humor liegt mir nun wirklich nicht." Vorsichtig, um keinen Kaffee zu verschütten, tastete er nach ihrer Hand und erwischte nur ein altes Papiertaschentuch. Er konnte sie ja verstehen. Jedes einzelne Manuskript hatte ihn selbst eine Menge Schweiß und Nerven gekostet. Sich in die Gedankenwelt eines Monstrums zu versetzen, war nicht einfach, aber irgendwann war es ihm dann doch gelungen, und dann...
"Und der Sarg bleibt im Keller."
"Aber ja." Natürlich, daß er daran nicht schon längst gedacht hatte. Die Geschichte mit dem Sarg hatte er vollkommen verdrängt. War auch wirklich ein bißchen unbequem gewesen, eine ganze Nacht hätte er so nicht verbringen wollen, aber zur Inspiration... Seltsam, dachte Dunkelhorst und nippte an seiner Tasse. Er konnte sich kaum noch an die Zeit erinnern. "Von mir aus kannst du ihn auch zum Sperrmüll geben."
Frieda schenkte ihm ein freudloses Lächeln. "Die wollten ihn ja nicht haben."
Richtig, wie hatte er das vergessen können. Dunkelhorst hob entschuldigend die Schultern. Die Tanzgruppe im Fernsehen machte einer geräuschlosen Nachrichtensprecherin Platz. Manchmal war ihm seine Arbeit wirklich ein bißchen unheimlich. Worüber hatte er zuletzt geschrieben? Es wollte ihm einfach nicht einfallen.

Langsam erhob sich Frieda wieder und kam auf ihn zu, leichtfüßig wie ein junges Mädchen. Sie berührte ihn sanft an der Schulter. Blaß war sie geworden. Während er selbst in der letzten Schreibpause wieder ein wenig Farbe bekommen hatte, erschien ihm seine Frau langsam wie ein Gespenst. Litt sie wirklich dermaßen unter seiner Arbeit? Wenn er sich doch nur erinnern könnte. Horst ergriff ihr Handgelenk und zog sie auf seinen Schoß. "Was war denn das Schlimmste für dich?" fragte er vorsichtig.
"Das fragst du noch?" Sie versteifte sich in seinen Armen. Horst kämpfte das schlechte Gewissen nieder, das in solchen Situationen immer nach ihm greifen wollte. Er hätte gern noch einen Schluck Kaffee genommen, aber er kam nicht an die Tasse heran.
"Den eigenen Mann im Keller festbinden zu müssen? Glaubst du, das ist normal?"
In Horsts Gedanken geriet ein winziges Rädchen in Bewegung. Die Vollmondnächte! Sein Werwolfroman. Er schüttelte fasziniert den Kopf. Frieda fühlte sich gut an auf seinem Schoß, trotz ihrer kratzbürstigen Stimme, trotz all der Vorwürfe. Sie erinnerte ihn an eine reife Frucht.
"Mir sind wirklich Haare gewachsen, stimmt's?" erkundigte er sich begeistert und fing sich einen wütenden Blick ein.
"Haare sind gar kein Ausdruck. Ich hätte ein Foto schießen sollen." Sie zappelte in seinem Griff und trat ihm unabsichtlich gegen das Schienbein.
Dunkelhorst griff fester zu. Irgendwie liebte er sie ja doch. Und dieser Duft heute, war das ein neues Parfum? Er beschloß, sich von seiner weichen Seite zu zeigen. "Dieses eine Buch noch", flüsterte er ihr ins Ohr. "Und danach könnte ich ja wirklich mal versuchen...ich meine, was hältst du von einem Kinderbuch? So als Ausgleich?"
"Oh, Liebling." Friedas Umarmung wurde fester, während sie ihr Gesicht in seinem Haar vergrub. Sie stieß mit dem Fuß gegen den Couchtisch, und der Verlagsvertrag schwebte leise raschelnd zu Boden...

"Und da hat sie dich einfach sitzen lassen?" Krawinski machte große Augen.
Horst zuckte die Schultern und stand auf, um nach den Schnitzeln zu sehen. "Sie hat es nicht ertragen, nehme ich an. Irgendwie kam sie mit meiner Arbeit nicht zurecht. Was willst du machen? Manchmal paßt es einfach nicht." Er öffnete eine Dose Champignons und gab sie in die Pfanne. Dann wandte er sich seinem Lektor zu. "Wenn alles klappt, kann ich dir Montag den Rest zuschicken. Achtzig Seiten fehlen noch."
Krawinski nickte zufrieden. "Wie du das immer machst, ist mir ja bis heute ein Rätsel. Sich so detailgetreu in die Figuren reinzudenken. Ich meine, stell dir vor, ein Vampir, ein Werwolf, und jetzt..."
"Och, so schwer ist das gar nicht." Mit einem verträumten Lächeln legte Horst den Dosenöffner zurück in die Schublade. "Manchmal muß man der Fantasie eben auf die Sprünge helfen." Ganz kurz erfaßte ihn ein kalter Schauer. Hatte er etwa schon wieder etwas vergessen? Aber so schlimm konnte es ja nicht sein. Nach einem Vampir und einem Werwolf, was bedeutete da schon ein Buch über Kannibalismus?
Kopfschüttelnd wandte er sich wieder der Pfanne zu.

Dienstag, 24. Januar 2012

Ein Ausblick auf die nächsten Aktionen

Es ist mal wieder Dienstag, Zeit, mich an dieser Stelle zu Wort zu melden.
Heute gibt es statt eines Artikels einen kurzen Ausblick, was Sie im Frühjahr auf diesem Blog so alles erwartet.

Zum einen neigt sich meine aktuelle Testleserunde dem Ende zu. Noch bis 31. Januar gibt es die Gelegenheit, mit einer Rezension zu "Den Tod im Herzen" im Lostopf zu landen, und mit ein bißchen Glück einen Amazon Gutschein im Wert von Euro 20.- zu gewinnen. Der Gewinner wird am 1. Februar hier, auf meiner Homepage und auf Facebook bekannt gegeben. Wer noch ein freies Leseexemplar haben möchte, muß sich beeilen, da ich nur noch bis einschließlich Mittwoch, 25. Januar erreichbar sein werde, danach erst wieder in der darauffolgenden Woche.

Voraussichtlich ab Ende Februar werde ich zusätzlich zu den üblichen Artikeln eine neue Reihe auf Blog Grün starten. Unter der Rubrik "Der Freitagsautor" möchte ich Ihnen jeden Freitag einen Autor vorstellen und ihn ein wenig mit meinen Fragen traktieren. :o) Nein, keine Angst, ist alles ganz harmlos, ein kleines Interview, nur vielleicht nicht immer die Fragen, die man für gewöhnlich in solchen Interviews stellen würde. Sonst wäre es ja schließlich nicht kreativ.

In meinem nächsten Blogpost werde ich der Frage nachgehen, ob Autoren mit der Zeit Ähnlichkeiten mit den Figuren aus ihren Büchern entwickeln, und was das für den Einzelnen bedeuten kann.

Und zu guter Letzt wird es im März ein neues Gewinnspiel geben. Unter dem Motto "Wissen legt Eier - Das große Osterquiz" können Sie täglich Ihren Bildungsstand anhand verschiedener Quizfragen überprüfen und am Ende sogar einen tollen Überraschungspreis gewinnen. Und da wir alle gerne lesen, werden sich die Fragen in der Hauptsache rund um das geschriebene Wort, sprich um Bücher und Literatur im weitesten Sinne, drehen. Weitere Informationen folgen rechtzeitig vor Spielbeginn.

Ich wünsche Ihnen allen eine schöne Woche.
Herzliche Grüße
Birgit Böckli

Dienstag, 17. Januar 2012

Über das Auftreten im Internet - Nicht nur für Autoren

Sie haben ein eBook geschrieben, ein tolles, spannendes, ungewöhnliches Buch. Nun ist das gute Stück endlich frei verkäuflich. Wie aber sollen Sie die Leser auf sich aufmerksam machen? Wenn Sie als sogenannter Indie, also als unabhängiger Autor auftreten und nicht zufällig einen Werbefachmann in der Familie haben, bleibt die Öffentlichkeitsarbeit in ihrer erschreckenden Gänze an Ihnen hängen. Doch auch als traditionell verlegter Autor können Sie sich nicht darauf verlassen, daß Ihr Verlag die Öffentlichkeit ausreichend informiert.Ganz gleich, ob mit oder ohne Verlag, wenn sich das Buch verkaufen soll, müssen Sie als Autor aktiv werden.

Ich möchte heute ein paar Überlegungen und Erfahrungen ansprechen, die mich bei meinem Auftreten im Internet beschäftigen. Es geht dabei weniger um Tips, wie man seine Bücher am geschicktesten promotet, sondern auch um das menschliche Miteinander im Netz, deshalb treffen einige der Punkte sicherlich nicht nur auf Autoren zu.


1. Definiere zuerst dich selbst
Dieser Satz steht ganz oben auf meiner Liste. Möchte ich als Autorin von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen werden, muß ich mir zuerst einmal darüber Gedanken machen, wie ich auf andere wirke. Was für ein Mensch bin ich? Was sagen meine Texte über meine Persönlichkeit aus? Gibt es etwas, das all meine Texte gemeinsam haben, selbst wenn sie unterschiedliche Genres bedienen? Bei mir ist das so, ganz gleich, ob ich blutigen Horror oder eine Fabel für Kinder schreibe. In meinen Geschichten stellt sich immer die Frage, wie Menschen handeln und was sie dazu treibt.
Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich wahrgenommen werden möchte. Ich wäre gern die jugendliche, strahlend schöne Künstlerin, die auf der Buchmesse (und in diversen Talkshows) Kußhände in die Kamera wirft. Tatsache jedoch ist: Das wäre dann nicht ich!
Und damit komme ich gleich zum nächsten Punkt.

2. Sei authentisch
Keine Angst, das bedeutet nicht, daß in ihren Geschichten nie wieder eine Elfe oder ein Vampir auftauchen darf. Es geht vielmehr um den Menschen, der hinter den Büchern steht. Im Netz rückt die Welt bei aller Anonymität doch ein Stück näher zusammen. Gerade bei Autoren, die noch keine Privatsekretärin brauchen, um die Fanpost zu sortieren, ist es für interessierte Leser so einfach wie nie zuvor, Kontakt aufzunehmen. Auch innerhalb der sozialen Netzwerke werden Sie bald eine Vielzahl unterschiedlichster Menschen kennenlernen. Es ist gut und nützlich, Kontakte zu pflegen, noch viel wichtiger ist es jedoch, dabei ehrlich zu sich selbst zu sein. Denken Sie bei einer Konversation nicht nur an den Verkauf Ihrer Bücher. Daß sich der andere schließlich auch für Ihre Texte interessiert, kann ein positiver Nebeneffekt sein, sollte aber nicht das Ziel Ihrer Gespräche sein. Geheucheltes Interesse wird langfristig Ihrem Ruf schaden und Sie ziemlich einsam machen.

3. Lerne und gib dein Wissen weiter
Man kann es gar nicht oft genug betonen: Autoren sind keine Konkurrenten. Welcher Leser kauft alle paar Jahre nur ein einziges Buch? Wenn wir alle fair und hilfsbereit miteinander umgehen, profitiert die ganze Gruppe davon. Die meisten Autoren, die ich kenne, sind sehr freundlich und offen anderen gegenüber, aber es gibt immer noch viel zu viele Geheimniskrämer, die ständig über ihre eigene Angst vor Ideenklau und Benachteiligung stolpern. Werfen Sie diese Befürchtungen so schnell wie möglich über Bord. Ohne lebt es sich wesentlich leichter, und die absolute Sicherheit gibt es im Leben sowieso nicht.

4. Sei maßvoll:
Erstmals habe ich diesen Hinweis in John Lockes Ratgeber gelesen, und ich habe ihn mir gut hinter die Ohren geschrieben. Natürlich bringt es nichts, däumchendrehend im stillen Kämmerlein zu verharren und darauf zu hoffen, irgendwer möge im Internet auf Ihr eBook stoßen und es anschließend begeistert seinen zwei Millionen Freunden weiterempfehlen. Sie selbst müssen den Leuten davon erzählen.
Das bedeutet aber nicht, daß Sie ununterbrochen darauf hinweisen sollen. Übertreiben Sie es nicht mit der Eigenwerbung, sonst machen Sie sich schnell unbeliebt. Wer auf Twitter über Wochen nichts anderes zu erzählen hat, in Foren und auf Blogs sinnfreie Kommentare postet, nur um seine Signatur hinterlassen zu können, darf sich nicht wundern, wenn die Leute ihn als Nervensäge wahrnehmen.
Natürlich dürfen Sie präsent sein, doch dafür gibt es jede Menge Alternativen. Beteiligen Sie sich an Diskussionen, geben Sie Tips, stellen Sie Fragen, treten Sie einfach als der auf, der Sie sind.

5. Sei zuverlässig
Und das in jeder Form. Wenn Sie etwas versprechen, dann halten Sie es auch. Wenn Sie Rezensionsexemplare anbieten, müssen sich die Interessenten darauf verlassen können, daß sie die Datei auch baldmöglichst erhalten. Beantworten Sie Kommentare zu Ihren Postings, Antworten Sie auf eMails. Gerade im Netz, wo man in aller Regel nicht gleich die Telefonnummer und Privatanschrift seines Gegenübers zur Hand hat, ist es wichtig, sich regelmäßig zu melden. Lassen Sie Ihre Leser nicht im Regen stehen.

6. Bleib auf dem Boden
Vielleicht haben Sie mit Ihren Büchern bereits erste Erfolge feiern können, steuern zielstrebig auf die Bestsellerlisten zu und erhalten mehr Zuspruch für Ihr Genie, als Sie verkraften können. Dann herzlichen Glückwunsch. Trotzdem sollten Sie sich davor hüten, jetzt abzuheben. Vielleicht haben Ihre Fans recht, und Sie können tatsächlich außergewöhnlich gut schreiben. Aber was soll's? Andere können dafür besser jodeln oder Flamenco tanzen. Sie sind nichts Besonderes, es ist Ihnen lediglich gelungen, Ihr gottgegebenes Talent auf die richtige Weise einzusetzen. Und wenn jemand Ihre Bücher nicht zu schätzen weiß?

Ich finde, wer Zeit und Geld in meine Texte investiert, hat auch das Recht, seine Meinung dazu zu sagen. Und solange diese Meinung ehrlich und ohne Hintergedanken vorgebracht wird, sollte der Autor sie annehmen, auch wenn sie ihn vielleicht nicht immer glücklich macht. Wenn ein Leser Ihr großartiges Buch verärgert oder mit einem Gähnen zur Seite legt, dann ist das eben so. Vielleicht können Sie sogar einen Nutzen aus einer negativen Rezension ziehen. Aber auch wenn nicht, wäre es unangebracht und außerdem ziemlich unprofessionell, darauf mit Trotz zu reagieren. Wenn Ihre Geschichte etwas taugt, wird sie auch ihre Leser finden. Es kann nicht jedem alles gefallen, das wäre wohl auch ziemlich langweilig.

Herzliche Grüße
Birgit Böckli

Dienstag, 10. Januar 2012

2011 - Ein Rückblick

Wieder ist ein Jahr zu Ende gegangen, ein neues hat uns mehr oder weniger sanft in seine Arme geschlossen, und manch einer hat die vergangenen Tage und Wochen für eine kleine Rückschau genutzt. Dem möchte ich mich anschließen.

Für mich war 2011 ein sehr bewegtes Jahr, angefüllt mit Überraschungen und neuen Erfahrungen, wunderschönen Begegnungen und spannenden Kontakten. Zunächst sei da mein Krimi "Friesensturm" erwähnt, für den ich auf dem Online Portal Neobooks.com einen Verlagsvertrag erhielt. Damit startete die Lektoratsphase, die ich mit einem Kurztrip nach Spiekeroog einläutete, denn dort ist mein Buch in seiner jetzigen Fassung angesiedelt. Inzwischen ist es als Neobooks Ebook erhältlich, und ich denke bereits über eine eventuelle Fortsetzung nach.

Im April folgte dann ein zweiter wesentlicher Wendepunkt in meiner Entwicklung als Autorin. Amazon öffnete seine Kindle Edition für Autoren und gab ihnen somit die Möglichkeit, ihre Texte direkt als eBooks hochzuladen und zu verkaufen. Das wollte ich auch ausprobieren, hatte aber keine Ahnung, wie ich es anstellen sollte. Meine PC-Kenntnisse beschränken sich auf das gelegentliche Abstauben des Computergehäuses, aber diese Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen. Stundenlang wühlte ich mich durch die Erklärungstexte, bastelte eine halbe Nacht an einer html-Datei herum, und siehe da: es klappte auf Anhieb. Mein erstes eBook, einer Kurzgeschichtensammlung hatte das Licht der Welt erblickt. Jetzt fehlten mir nur noch die Leser, und woher sollten sie auch kommen? Unter den vielen Büchern fand ich ja mein eigenes kaum wieder, außerdem hatte ich das Cover mühsam aus einer Fotografie und einem eingefärbten Wordhintergrund zusammengeschustert, ich war alles andere als zufrieden damit.

Was blieb war das lange Warten, der Blick auf mein Verkäuferkonto, in dem ich die Zahlen einsehen konnte, Zahlen, die mir sagen sollten, ob tatsächlich jemand meine Geschichten gefunden hatte.
Nach und nach trudelten tatsächlich die ersten Verkäufe ein, anfangs nur alle paar Tage einer, aber langsam wurden es mehr.
Daraufhin lud ich eine Sammlung meiner Gruselgeschichten hoch, die von Anfang an gut aufgenommen wurde. Trotz der ansteigenden Verkaufszahlen war ich noch immer unsicher. Schließlich hatte ich einen Verlagsvertrag, mein Krimi würde bald erscheinen, und ich wußte nicht so recht, ob es da förderlich oder eher kontraproduktiv sein würde, nebenher selbst Texte zu veröffentlichen. Trotzdem machte ich weiter, denn inzwischen hatte ich einige so schöne Rückmeldungen von Lesern erhalten, daß ich es schade gefunden hätte, diese Möglichkeit nicht zu nutzen. Außerdem fand ich es toll, die Texte zu einem so günstigen Preis anbieten zu können. Der Leser bezahlt nicht einmal einen Euro, und ich verdiene trotzdem noch etwas daran. Zu meinem nächsten eBook Sonnenthal startete ich eine Testleserunde, und die Rückmeldungen waren wirklich überwältigend. Es kamen so tolle Kontakte zustande, daß ich beschloß, meine Zweifel über Bord zu werfen. Und die Verkaufszahlen gaben mir recht.

Im Dezember haben über 3000 meiner eBooks einen Leser gefunden, eine Zahl, von der ich noch vor wenigen Wochen nicht zu träumen gewagt hätte. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, mich ganz herzlich bei meinen Lesern zu bedanken. Inzwischen gibt es schon einige eBooks aus meiner Feder zu kaufen, und es sind weitere geplant, die meisten wohl aus dem Thriller-/Horrorgenre. Bis zum Sommer möchte ich eine neue Reihe starten, außerdem denke ich darüber nach, meine Kurzgeschichtensammlung "Und dennoch ist es Leben" drucken zu lassen.

Und im März steht natürlich noch etwas ganz Besonderes bevor, da erscheint mein Krimi "Friesensturm" als Knaur Taschenbuch. Es sieht also so aus, als würde das Jahr 2012 seinem Vorgänger in Sachen Spannung in nichts nachstehen. :)

Herzliche Grüße
Birgit Böckli

Dienstag, 3. Januar 2012

Die innere und die äußere Armut

Heute möchte ich einmal ein Thema ansprechen, das mir schon seit einiger Zeit auf der Seele brennt.
Es geht um das ewige Hinweisen auf die Armut in Deutschland. Gerade in der Vorweihnachtszeit häuften sich wieder die Berichte über arme Familien, bei denen das Geld kaum für ein Weihnachtsgeschenk reicht.
Vielleicht mache ich mir jetzt viele Feinde, aber ich habe einfach ein anderes Bild von Armut. Arm zu sein bedeutet für mich, jeden Tag drei Stunden zur nächsten Wasserstelle laufen zu müssen, um anschließend das schmutzige, bakterienverseuchte Trinkwasser mühsam nach Hause zu tragen. Es bedeutet, nicht zu wissen, wie man seine Kinder am nächsten Tag ernähren soll.

Sicherlich ist es nicht schön, zuzuschauen, wenn andere Menschen sich mehr leisten können, gerade für Kinder und Jugendliche bedeutet es einen unangenehmen Verzicht, wenn Kino und Markenklamotten nicht so ohne weiteres erschwinglich sind. Aber ist das wirklich Armut?
Natürlich gibt es auch in Deutschland Fälle, wo Menschen durch unglückliche Lebensumstände wirklich alles verlieren, vielleicht sogar ohne Wohnung dastehen. Wo es tatsächlich am Lebensnotwendigsten mangelt. Das möchte ich weder bestreiten noch schön reden. Natürlich gibt es Mißstände, jede Menge sogar. Es passieren Fehler, Politiker lügen uns an oder bereichern sich auf unsere Kosten. Das ist nicht in Ordnung und wird zu recht angeprangert.

Aber den meisten von uns geht es doch verhältnismäßig gut. Wenn wir einen Blick über den Tellerrand werfen und uns die Situation der Menschen in anderen Ländern anschauen, möchte ich fast behaupten, wir leben in Luxus.
Wir leben in Luxus, weil wir ein Dach über dem Kopf haben, eine Heizung, elektrisches Licht und sogar fließendes warmes Wasser. Unsere Lebensmittel halten sich dank Kühlgeräten auch im Sommer frisch, wir haben ein Sozialsystem, die meisten von uns mußten niemals einen Krieg miterleben. Den meisten Menschen auf dieser Erde geht es nicht so gut.

Vielleicht sollten wir mal darüber nachdenken, bevor wir das nächste Mal über unsere Regierung oder die eigene finanzielle Situation jammern. Ich glaube, ein bißchen mehr Dankbarkeit würde uns alle zufriedener, toleranter und innerlich reicher machen. Nehmen wir sie uns einfach. Es gibt sie überall, und sie ist im übrigen vollkommen kostenlos.

Herzliche Grüße
Birgit Böckli