Freitag, 27. April 2012

Autoreninterview mit Annemarie Nikolaus

Mein heutiger Gast war schon in verschiedenen Ländern der Erde zuhause. Mittlerweile lebt und arbeitet sie in Frankreich. Von ihr sind bereits einige Titel unterschiedlicher Genres erschienen. Herzlich Willkommen, Annemarie Nikolaus.



Liebe Annemarie, vielen Dank, daß du dich meinen Fragen stellen möchtest. Wie hat das bei dir alles angefangen?  War es schon immer dein Wunschtraum, Geschichten zu schreiben oder gab es irgendein Schlüsselerlebnis?

Annemarie: Es war ein Prozess, der sich sowohl im politischen wie im beruflichen Umfeld entwickelt hat. In meiner Berliner Zeit war ich in der Kommunalpolitik aktiv und habe in dem Zusammenhang auch Straßentheater gemacht; die – vermutlich verschollenen - Stücke haben wir selber verfasst. Für meine Arbeit in der Organisationsentwicklung habe ich sog. Planspiele geschrieben. Das war beides eng an der jeweils aktuellen Realität orientiert; ich komme ja aus dem Journalismus. Aber es hatte natürlich kreative Elemente und Dramaturgie musste ich auch beherrschen.

Wie stark steckst du in deinen Themen drin? Kommt es vor, daß dich die Handlung einer Geschichte bis in deine Träume verfolgt oder dir sogar Angst macht?

Annemarie: Historische Recherchen bringen mich sehr tief in die Geschichten hinein, denn ich versuche, den vergangenen Denkweisen nahezukommen – bei aller dichterischen Freiheit natürlich.
Ich erinnere mich selten an Träume; daher kann ich nicht sagen, ob ich von meinen Geschichten träume. Vermutlich ist es eher umgekehrt. Dass das Unterbewusstsein einen Anteil an meinen Geschichten hat.
Die Frage nach der Angst ist irrelevant, denn ich schreib keine Gruselgeschichten. Vermutlich könnte ich das gar nicht, weil mich Geschichten nicht gruseln.

Was für Bücher gibt es bisher von dir zu kaufen? Bist du auf ein Genre fixiert oder könntest du dir auch vorstellen, mal was ganz anderes auszuprobieren?

Annemarie: In Print sind ein paar Kurzgeschichten von mir veröffentlicht worden; in ganz verschiedenen Genres. Und zwei Fantasy-Werke, die ich gemeinsam mit jeweils zwei anderen AutorInnen verfasst habe.
Anfang 2010 habe ich begonnen, E-Books zu veröffentlichen. Zuerst aus der Backlist: die beiden Fantasy „Das Feuerpferd“ und „Renntag in Kruschar“, die ich gerade erwähnt habe und einen Science Fiction, der ebenfalls als Co-Projekt entstanden ist. Außerdem den Mini-Thriller „Ustica“ und eine Sammlung von fantastischen Kindergeschichten, die sich u.a. auf märchenhafte Weise mit ökologischen Fragen befassen.
Gerade habe ich das erste neue Buch veröffentlicht, einen historischen Roman: „Königliche Republik“ spielt im Neapel des 17. Jahrhunderts und erzählt die Geschichte einer blutjungen Patriziertochter, die in einen todbringenden Konflikt zwischen Familienloyalität und Gewissen gerät: Kann sie ihren Bruder schützen ohne Neapel zu verraten?
Ich bin nicht auf ein Genre festgelegt. Ich schreibe Fantasy, historische Romane und Kriminalgeschichten. Und ich schreibe sehr gerne mit anderen Autorinnen zusammen.
Es gibt aber Genres, zu denen ich keinen Zugang habe: Horror-Stories könnte ich wohl nicht schreiben, weil mich einfach nichts gruselt. Und „category“ kann ich mir schwer vorstellen: Natürlich gibt es in meinen Romanen Liebesgeschichten. Sie gehören ja zu Leben dazu; auch solche mit gutem Ausgang. Aber sie sind nicht das Thema meiner Romane.

Hast du schon einmal eine Lesung veranstaltet/ Wie könnte eine Lesung bei dir aussehen bzw wie sieht sie aus?

Annemarie: Lesungen sind ein Sprachproblem, weil ich seit über 20 Jahren im Ausland lebe, aber auf deutsch schreibe. Da mangelt es etwas an Gelegenheiten, zumal in den kleinen Orten.

Was ist das Besondere an deiner Art zu schreiben?

Annemarie: Ich weiß nicht, ob ich eine „besondere Art“ zu schreiben habe. Aber mir ist irgendwann aufgefallen, dass ich– ganz ohne bewusste Absicht - ein immer wiederkehrendes Thema habe: die Frage, wie weit man gehen darf. Oder anders ausgedrückt: Heiligt der Zweck jedwedes Mittel? In der Regel wird die Frage mit Nein beantwortet.

Wie sieht es mit deiner Disziplin aus? Bist du eher ein Tag- oder Nachtarbeiter? Wie gehst du einen neuen Stoff an?

Annemarie: Ich bin eine Frühschicht-Arbeiterin. Ausgeschlafen und ungestört ab vier oder fünf Uhr morgens geht es am besten. Mit einer Kollegin treffe ich mich regelmäßig virtuell – d.h. per email-Rückmeldung – zum gemeinsamen Schreiben.
Einen neuen Stoff beginne ich meist mit Recherche. Manchmal ist es auch nur ein neugieriges Herumstöbern, bis dann plötzlich eine Story da ist.
Ich fresse Geschichtsbücher, wie andere Leute Romane fressen. So tauchte in der „Königlichen Republik“ ein Charakter mit dem Namen Montmorency auf. Nachdem ich die erste Fassung fertig hatte und daran ging, die aufgetauchten Figuren genauer auszuarbeiten, ist mir aufgefallen, dass die Montmorency eines der ältesten Adelsgeschlechter Frankreichs sind; irgendwann müssen die mir mal untergekommen sein. Einer von ihnen war fünfzehn Jahre zuvor Gouverneur des Languedoc und ist nach einem fehlgeschlagenen Aufstand hingerichtet worden. Auf diese Weise kam mein fiktiver Montmorency zu einem Vater und ich zu einer neuen Geschichte.

Wie stark setzt einen die Arbeit als Autor unter Druck? Wie gehst du mit Deadlines und der Erwartungshaltung deiner Leser um?

Annemarie: Deadlines setze ich mir als Orientierungspunkte, um mir eine Struktur über die Zeit zu schaffen. Aus meiner journalistischen Arbeit bin ich das Last-Minute-Schreiben gewohnt; aber das taugt ganz und gar nicht für Romanprojekte.
Es ärgert mich dann zwar, wenn ich sehr viel mehr Zeit brauche als ich mir vorgestellt habe; aber mir ist wichtiger, eine Geschichte gut zu erzählen als schnell fertig zu werden. Als Indie-Autorin kann ich es mir auch leisten, Geschichten wachsen zu lassen, bis sie ihre richtige Form gefunden haben: Mich treiben keine Abgabetermine zu unziemlicher Eile.

Wie sieht es mit dem Traum von der eigenen Bekanntheit aus? Siehst du auch Nachteile?

Annemarie: Ich war in anderen Zusammenhängen hin und wieder schon in der Rolle des „weißen Raben“. Es hat mich nie gestört.

Welche Eigenschaften sollte ein zukünftiger Autor mitbringen?

Annemarie: Beharrlichkeit und Geduld. Es braucht einen langen Atem, fürs Schreiben genauso wie für den Erfolg beim Veröffentlichen.

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie ist an dem Spruch, daß Genie und Wahnsinn nahe beieinander liegen, tatsächlich was dran. Zumindest fanden sich in den Gehirnen kreativer und künstlerisch tätiger Menschen Veränderungen, die denen geistig kranker Menschen ähnelten. Wie denkst du darüber? Sind Schriftsteller eine besondere Spezies?

Annemarie: Das halte ich für einen, nein zwei, der vielen Autoren-Mythen. Weder sind SchriftstellerInnen eine auf andere Weise besondere Spezies als die übrige Menschheit noch sind sie Genies. Alle Menschen haben „von Natur aus“ kreative Fähigkeiten; sie haben nur unterschiedliche Entwicklungsbedingungen dafür. Vielen wird der Weg – meist in der Schulzeit – versperrt. Ich habe das sehr deutlich bei meiner Tochter gesehen: Erst nachdem ich ihr erfolgreich eingeredet hatte, dass sie gar nichts „falsch“ machen kann, hat sie sich getraut, ihre Fantasie in die Freiheit zu entlassen.

Wie sieht für dich der ideale Verlag aus? Was würdest du dir von einem Verlag wünschen?

Annemarie: Ich würde dann mit einem Verlag veröffentlichen, wenn er groß genug und interessiert genug wäre, aktiv den Print-Markt zu bedienen. Was vor allem heißt, das Marketing dafür zu übernehmen.

Viele Autoren veröffentlichen ihre Bücher inzwischen ohne Verlag, manche mit ganz beachtlichem Erfolg. Das eBook ist im Kommen, Verlage versuchen sich an völlig neuen Konzepten. Wie stellst du dir den Buchmarkt in zehn Jahren vor?

Annemarie: Es wird sicher sowohl E-Book wie Holzbuch geben. Aber E-Books sind so viel praktischer zu handhaben und mit der weiteren technischen Entwicklung der eReader werden sie mehr und mehr dominieren.
Aber das wird nicht der entscheidende Unterschied sein. Viel wesentlicher wird sein, dass AutorInnen wieder von Verlagen unabhängig werden. Die Macht der Verlage in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist historisch gesehen eine Anomalie; bedingt durch den enormen Kapitelaufwand, der in dieser Zeit für den Massenmarkt nötig war, wie er nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist. 
Schon mit der technischen Möglichkeit der digitalen Drucks war dann der Kapitaleinsatz gesunken. Das hat den AutorInnen aber noch nicht viel genützt, weil die Distribution praktisch ein Monopol war und obendrein unabhängige AutorInnen diskriminiert wurden. Im Print-Bereich wird nach wie vor versucht, das Monopol aufrecht zu erhalten und die Indie-AutorInnen aus den Vertriebsnetzen auszuschließen. Aber wenn der stationäre Buchhandel nicht vorher pleite geht, wird er in den nächsten Jahren auch die unabhängigen AutorInnen in sein Sortiment aufnehmen.
Dass europäische Verlage sich an völlig neuen Konzepten versuchen täten, ist mir noch nicht aufgefallen. Das einzige mir bekannte Beispiel ist der amerikanische Simon&Schuster.

Worauf dürfen wir uns als nächstes aus deiner Feder freuen? Woran arbeitest du gerade?

Annemarie: Ich arbeite meist an mehreren Projekten parallel, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass mir Liegen-lassen gegen Textblindheit hilft.
Derzeit habe ich einen historischen Kriminalroman lange genug beiseite gelegt, um ihn eigentlich ganz fertig zu machen. Allerdings habe ich mir jetzt erst einmal den Entwurf vorgenommen, der fünf Jahre vor der Königlichen Republik in Frankreich spielt: die sehr tragische Geschichte von Alexandre de Montmorency, in den sich meine neapolitanische Heldin verliebt.
Vermutlich wird der Kriminalroman zuerst erscheinen.

Ganz herzlichen Dank für das interessante Interview, liebe Annemarie. 

Und wer jetzt Lust bekommen hat, sich ein wenig näher mit Annemarie Nikolaus und ihren Büchern zu beschäftigen, ist herzlich eingeladen, sie auf ihrer Homepage oder ihrem Blog zu besuchen. Hier gibt es einen Überblick über ihre Werke bei Amazon und Itunes.


Nächsten Freitag im Interview: Oliver Fehn

Mittwoch, 25. April 2012

Ein Rück- und Ausblick

Liebe Leser,

auch wenn ich nicht viel davon halte, meine Umwelt mit Eigenwerbung zu überschütten, möchte ich doch heute einmal einen kleinen Blick in die jüngste Vergangenheit und auch ein wenig in die Zukunft tun und erzählen, was sich so hinter den Kulissen tut bzw getan hat.













Vergangenen Freitag fand in Hockenheim die Premierenlesung meines Krimis "Friesensturm" statt. Ich war wahnsinnig aufgeregt, aber dann hat alles super geklappt. Ich habe erzählt, wie ich über Neobooks zu meinem Buchverlag gekommen bin, wie die Idee zu diesem Krimi überhaupt entstanden ist und wie er schließlich von einer fiktiven Insel namens Skütje nach Spiekeroog verlegt wurde. Ein paar Stellen aus dem Buch gab es selbstverständlich auch zu hören. Musikalisch umrahmt wurde der Abend von dem Vokalensemble der Hockenheimer Musikschule "Vocal Offspring". Ich hatte ein tolles und sehr interessiertes Publikum, kurzum, es war ein rundum gelungener Abend. Ein paar Bilder dazu finden Sie übrigens auf meiner Facebook-Pinnwand. :)

Sonntags dann gab es noch eine Signierstunde in der Hockenheimer Buchhandlung "Dörffler-Schwab". Anläßlich des Frühlingsfestes mit verkaufsoffenem Sonntag kamen trotz des durchwachsenen Wetters viele Besucher auch von außerhalb in die kleine Buchhandlung. Ich durfte eine Menge netter Leute kennenlernen und habe jede Menge Fragen beantwortet und natürlich Bücher signiert.

Wer meinen Krimi noch nicht kennt, es gibt ihn für 8,99 Euro seit Anfang März auch als Taschenbuch. Als eBook ist er natürlich auch erhältlich.
Weitere Lesungen sind geplant, die nächste Anfang Juni auf einem Ausflugsschiff vor der Küste Langeoogs, eine tolle Idee von der dortigen Buchhändlerin, wie ich finde. Wer mehr über dieses Buch und wie es seinen Weg in den Knaur Verlag fand, erfahren möchte, darf gerne einen Blick auf meine Homepage werfen. Dort finden Sie auch eine ausführliche Leseprobe sowie all meine aktuellen Termine und jede Menge Informationen über meine weiteren Bücher.

Im Moment arbeite ich an einem Manuskript für einen Mysterythriller, der auch wie schon Sonnenthal und einige andere meiner eBooks Horrorelemente beinhalten wird, sich aber vom Genre her nicht ganz in eine Schublade pressen läßt. Wenn alles läuft wie geplant, wird er im Spätsommer als eBook erhältlich sein und den Auftakt zu einer kleinen Reihe bilden.

Ich freue mich unheimlich, daß meine älteren eBooks auch nach vielen Monaten noch immer ihre Käufer finden. Besonders liegt mir meine Kurzgeschichtensammlung "Und dennoch ist es Leben" am Herzen. Sie enthält eine Kollektion aus 8 ernsthaften Erzählungen, die sich auch der Themen annehmen, die heutzutage gerne tabuisiert werden. Immer wieder wurde ich in der Vergangenheit von Lesern gefragt, ob es dieses Buch nicht in gedruckter Version zu kaufen gäbe. Heute darf ich nun die gute Nachricht verkünden: schon bald werden diese ganz besonderen Geschichten auch als Taschenbüchlein erhältlich sein. Ich freue mich schon sehr darauf.

Mit diesen guten Nachrichten verabschiede ich mich für heute und sende Ihnen allen ein paar Sonnenstrahlen.
Herzliche Grüße

Birgit Böckli

Freitag, 20. April 2012

Autoreninterview mit George Tenner

Mein heutiger Gast hat sich bereits mit einer ganzen Reihe von Büchern in die Herzen seiner Leser geschrieben, und ich freue mich sehr, daß er sich bereit erklärt hat, an meiner Interviewreihe teilzunehmen. Dafür ein herzliches Dankeschön. Herzlich Willkommen, George Tenner.




Lieber George, du arbeitest ja nun schon seit vielen Jahren als Autor. Wie hat das bei dir alles angefangen? War es schon immer dein Wunschtraum, Geschichten zu schreiben oder gab es irgendein Schlüsselerlebnis? 

George: Das Schlüsselerlebnis für mich war die Bekanntschaft mit dem Schriftsteller Johannes Tralow, der in meiner Jugend als Präsident des PEN-Clubs Ost-West amtierte und in dessen Haus ich mehrfach zu Besuch war. Das Faszinierende an der Villa war ein Zimmer, in das man nur mit einem Schlüssel hineinkam. Weder seine Frau Astrid noch meine Mutter durften in dieses Zimmer hinein. Aber mir hat er es gezeigt. In diesem Zimmer gab es eine lange Tafel, auf der verschiedene Recherchebücher aufgeschlagen lagen, ich erinnere mich an die „Enzyklopädie des Islam“, die er von der Staatsbibliothek in Ostberlin - in seiner Eigenschaft als jener Präsident des PEN Clubs - zur Verfügung gestellt bekommen hatte. Diese Recherchen benötigte er für seine Bücher "Irene von Trapezunt", "Der Eunuch", "Malchatun", "Roxelane und Mohammed".
Tralow war mehrfach zu Gast in unserem Ostseehaus in Ahrenshoop und ich durfte, und das machte mich in dieser Zeit besonders stolz, privat mit seinem Opel Kapitän fahren.
All diese Erfahrung zusammen haben mich damals so beeindruckt, dass ich mir vornahm, Autor zu werden.

Wenn ich dich richtig verstehe, war das in einer Zeit, in der du in der DDR lebtest.

Ja das war Ende der fünfziger Anfang der sechziger Jahre. Aber da ich überhaupt nicht DDR-konform war, war der Wunsch zu schreiben illusorisch. In dieser Zeit waren Bücher über Arbeiter- oder die Bauernschaft auf dem Lande gefragt gewesen. Ich habe mir damals nicht vorstellen können, ein Buch über die LPG Rote Rübe zu schreiben. Also habe ich erst mal einen "anständigen" Beruf gelernt.
1966 flüchtete ich - nachdem ich ein Jahr in politischer Haft gesessen hatte - mit meiner zweiten Frau und einem Freund mit einem Schlauchboot über die Ostsee in den freien Teil Deutschlands. Meinen ersten Roman "Der Wüstenwolf" - einen Thriller über den Sechstagekrieg in Israel und einen Spion, der aus Schweden kam und in Ostberlin noch über Kontakte verfügte, später aber im Nahen Osten umkam - veröffentlichte ich im Verlag Herbig in München 1982. Damals war ich bereits 42 Jahre alt.
  
Wie stark steckst du in in deinen Themen drin?

George: Die enge Verknüpfung von Wirklichkeit und Fiktion, von dokumentarischer Nähe, Aktualität, literarischer Aufbereitung und Unterhaltsamkeit habe ich früh für meine Bücher entdeckt und weiterentwickelt. So gehöre ich zu jenen politisch engagierten Autoren, die sich – speziell in ihren Kriminalromanen – immer wieder mit dem in Deutschland aufkeimenden Rechtsradikalismus beschäftigen. Aber auch andere zeitkritische Stoffe finden in meine Bücher und bestimmen meine öffentlichen Äußerungen: Staatsverbrechen der DDR, internationale Korruption, Leidenschaft, Macht und Intrigen, Finanzmanipulationen, aber auch die Ängste der Arbeitslosigkeit, der Drogenhandel.
Bei allem Charme und Humor, der mir durchaus nachgesagt wird, sind mir meine Haltung, mein Bestreben nach journalistischer Aufklärung durchaus ernst. Deshalb ist jeder meiner Kriminalromane auch ein Spiegel unsrer Gesellschaft.

Kommt es vor, daß dich die Handlung einer Geschichte bis in deine Träume verfolgt oder dir sogar Angst macht?

George: Absolut. Ganz prägnant war das bei meinem im März 2011 veröffentlichten Roman „Jenseits von Deutschland“ so. Da habe ich nach einem Telefonat mit einem der kriegsgeschädigten Soldaten bitterlich geweint. Dieser Anti-Kriegsroman gewährt im Stile von Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ einen Einblick in das Seelenleben von Soldaten, die an einem bewaffneten Auslandseinsatz in Afghanistan teilnehmen. Ich wundere mich nur, dass die Menschen sich nicht mehr mit dem Elend dieser Jungs befassen.

Was für Bücher gibt es bisher von dir zu kaufen? Bist du auf ein Genre fixiert oder könntest du dir auch vorstellen, mal was ganz anderes auszuprobieren?

George:

Der Wüstenwolf, Thriller, Herbig, 1982. ISBN 3-7766-1188-X
Ausgeflippt, Satiren, MV-Verlag, 2004. ISBN 3-86582-020-4
Das Spiel der Nymphen, Roman, MV-Verlag, 2005. ISBN 3-86582-128-6
Das Petersplatzkomplott, Thriller, MV-Verlag, 2005. ISBN 3-86582-142-1
Der Schrei des Pelikans, Thriller, MV-Verlag, 2006. ISBN 3-86582-289-4
Jagd auf den Inselmörder, Kriminalroman, Schardt-Verlag, 2007. ISBN 978-389841-329-9
Das Lächeln der Mona Lisa, Kriminalroman/Dresden. Schardt-Verlag, 2008. ISBN 978-3-89841-377-0
Der Drachen des Todes, Kriminalroman,Schardt-Verlag, 2008. ISBN 978-3-89841-385-5
Insel der tausend Puppen, Kriminalroman, Schardt-Verlag. 2009, ISBN 978-3-89841-442-5
Single, unvermittelbar ... , Roman, MV-Verlag, 2009. ISBN 978-3-86582-891-0
Das Haus am Hohen Ufer, Autobiografie, Schardt-Verlag, 2009. ISBN 978-3-89841-488-3
Rendezvous mit Usedom, Inselgeschichten, Wartberg-Verlag, 2010. ISBN 978-3831321148
Jenseits von Deutschland, Antikriegsroman, Schardt-Verlag 2011
Nacht über der Insel, Kriminalroman, der eine Geißel unserer Zeit, die Problematik mit den Neo-Nazis beschreibt. 

An der Unterschiedlichkeit der Titel erkennt man unschwer, dass ich ständig am Ausprobieren und absolut nicht in eine Schublade zu stecken bin.
  
Hast du schon einmal eine Lesung veranstaltet/ Wie könnte eine Lesung bei dir aussehen bzw wie sieht sie aus?

George: Das ist ganz unterschiedlich. Ich lese in Bibliotheken, in Hotels, in Hörsälen - hauptsächlich an der Ostsee aber auch bundesweit - und ganz selten in einem privaten Kreis. Für dieses Jahr habe ich nur sechs Lesungen anvisiert und wenn es möglich ist, werde ich es dabei belassen.

Was ist das Besondere an deiner Art zu schreiben?

George: Was die Kriminalromane und auch Thriller angeht, ist es für mich ganz wichtig, gewissenhaft zu recherchieren. Ich hole mir da auch immer zur Beratung Fachleute ins Boot. Für die Kriminalromane selbstverständlich einen Hauptkommissar der Kriminalpolizei, in Fragen der forensischen Medizin berät mich die Direktorin der Rechtsmedizin an der Ernst Moritz Arndt Universität in Greifswald, Frau Prof. Dr. Britta Bockholdt, für internationalen Terrorismus habe ich einen Wissenschaftler, der sich seit 40 Jahren mit diesem Thema befasst und der in Berlin wohnt.

Wie sieht es mit deiner Disziplin aus? Bist du eher ein Tag- oder Nachtarbeiter? Wie gehst du einen neuen Stoff an?

George: Mein Arbeitstag beginnt in der Regel um 6:00 Uhr morgens und endet um 18:00 Uhr, bei einer  Stunde Mittagszeit, die ich zum Kochen, Essen und einer kleinen Ruhepause verwende. Mit wenigen Ausnahmen wird dieser Rhythmus eingehalten.
Ein neuer Stoff beginnt mit der Fixierung einer Grundidee und mit der Recherche zu dem jeweiligen Thema.
 
Wie stark setzt einen die Arbeit als Autor unter Druck? Wie gehst du mit Deadlines und der Erwartungshaltung deiner Leser um?

George: Die Arbeit setzt mich immer unter Druck. Du schielst nach den Seiten, die du geschafft hast, und sagst dir, du hast weniger als die Hälfte von dem geschrieben, was du dir vorgenommen hattest. Deadlines setzen mich also immer unter Druck, aber da gibt's ein Rezept - in Klausur gehen und nichts anderes anfassen, bis das Manuskript fertig ist.
Die Erwartungshaltung der Leser ist immer unterschiedlich; du kannst es nicht allen recht machen, denn jedermanns Liebling ist jedermanns Armleuchter. Deshalb schreibe ich grundsätzlich, was ich denke, schreiben zu müssen.

Wie sieht es mit dem Traum von der eigenen Bekanntheit aus? Siehst du auch Nachteile?

George: Ich habe keinen Traum von einem übermäßigen Bekanntheitsgrad. Nicht einmal ein Fünfminuten-Portrait innerhalb eines Einstundenfilmes des NDR zur besten Sendezeit 20.15 Uhr bringt mich aus der Ruhe. Für mich zählt ein unberührtes Privatleben mehr als der so genannte „Promibonus“, der auch mit einem erheblichen Teil der persönlichen Freiheit erkauft werden muss.

Welche Eigenschaften sollte ein zukünftiger Autor mitbringen?

George: Interesse an der Sprache, Vorstellungskraft, Kreativität und eine gehörige Portion Fleiß, denn mein Motto lautet: Verlasse dich nie auf Glück allein, Glück kommt nur durch harte Arbeit!

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie ist an dem Spruch, daß Genie und Wahnsinn nahe beieinander liegen, tatsächlich was dran. Zumindest fanden sich in den Gehirnen kreativer und künstlerisch tätiger Menschen Veränderungen, die denen geistig kranker Menschen ähnelten. Wie denkst du darüber? Sind Schriftsteller eine besondere Spezies?

George: Das kommt ganz darauf an. Wenn ich den Durchschnitt der Menschen ansehe, würde ich mir verbitten, mich als normal zu bezeichnen. Denn die Norm ist heutzutage beispielsweise eine 40 Stunden Arbeitswoche, ich komme locker auf 60-70 Stunden. Ich halte mich auch nicht für ein Genie, doch für wahnsinnig genug, so viele Stunden zu arbeiten.

Wie sieht für dich der ideale Verlag aus? Was würdest du dir von einem Verlag wünschen?

George: Ich bin in der glücklichen Lage, zwar einen kleinen, aber für mich durchaus idealen Verlag in meinem Rücken zu wissen. Meine Wünsche an einen Verlag sind eine ordnungsgemäße Betreuung, eine gute Absprache und selbstverständlich ein guter Kontakt zwischen Verleger, Lektor und Autor, sowie eine ordnungsgemäße Abrechnung.

Viele Autoren veröffentlichen ihre Bücher inzwischen ohne Verlag, manche mit ganz beachtlichem Erfolg. Das eBook ist im Kommen, Verlage versuchen sich an völlig neuen Konzepten. Wie stellst du dir den Buchmarkt in zehn Jahren vor?

George: An der Umstellung durch die elektronischen Möglichkeiten kommt heute kein Verlag und sicher auch kein Autor mehr vorbei. Das ermöglicht natürlich Leuten, die früher nie geschrieben haben, einen Einstieg ohne Grenzen. Es birgt aber auch die Gefahr für den Leser, dass er einen Haufen Müll vorgesetzt bekommt; das ist nicht zwingend so, aber sicher oft.
Auch ich habe Bücher elektronisch eingestellt, bin aber nun dazu übergegangen, sie über einen Verlag bei den Vertriebspartnern für elektronische Bücher einzustellen und zu überwachen.

Worauf dürfen wir uns als nächstes aus deiner Feder freuen? Woran arbeitest du gerade?

George: Nun, ich arbeite in der Regel parallel an zwei Büchern. Und so halte ich es auch diesmal wieder. Für 2013 plane ich, den fünften Teil der Usedom-Lasse-Larsson-Reihe zu publizieren, und als Kontrastprogramm arbeite ich wieder an einem Buch über die Ambivalenz der Liebe. Denn diese Ambivalenz der Liebe ist immer der eigentliche aufregende Krimi ...
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Ganz herzlichen Dank für die spannenden Einblicke, lieber George.

Liebe Leser, Sie möchten sich gerne ausführlicher über Herrn Tenner und seine Werke informieren? Hier geht es zur Homepage des Autors.



Nächsten Freitag im Interview: Annemarie Nikolaus

Freitag, 13. April 2012

Autoreninterview mit Brigitte Chinaka


Die Autorin, die ich Ihnen heute vorstellen möchte, lebt in Köln. Mehrere Reisen nach Afrika inspirierten sie zu ihrem ersten Roman. Herzlich Willkommen auf Blog Grün, Brigitte Chinaka.




Liebe Brigitte, herzlichen Dank, daß du dich bereit erklärt hast, uns ein paar Einblicke in deine Arbeitsweise zu geben. Wie war das denn bei dir? War es schon immer dein Wunschtraum, Geschichten zu schreiben oder gab es irgendein Schlüsselerlebnis? 

Brigitte: Seit meiner Teenagerzeit habe ich immer viel Tagebuch geschrieben und als Erwachsene kam eine jahrelange briefliche Korrespondenz mit einer Freundin hinzu. Das erübrigte sich dann durch die Telefonflatrate, was ich manchmal auch sehr schade finde. Jedenfalls machte ich schon immer gerne was mit Sprache. Ich liebe es, mich schriftlich auszudrücken. Ich notierte Ereignisse, Interessen, Reflexionen, Beobachtungen …ich produzierte Texte, weil es mir gefiel.
Es gab für meinen Roman "Tochter der Freiheit" mehrere Schlüsselerlebnisse. Der Stoff fand mich sozusagen auf meinen Reisen durch Afrika. Selbstverständlich führte ich Reisetagebücher und mit der Zeit festigte sich bei mir immer mehr die Idee, daraus ein Buch zu machen.   

Wie stark steckst du in in deinen Themen drin? Kommt es vor, daß dich die Handlung einer Geschichte bis in deine Träume verfolgt oder dir sogar Angst macht?

Brigitte: Ich muss stark in einem Thema drin stecken. Es muss mich brennend interessieren und nicht schon nach ein paar Wochen langweilen. Wenn es mich nicht wirklich packt, kann ich mich nicht auf die damit verbundene umfangreiche Arbeit einlassen. Es kommt durchaus vor, dass ich von der Geschichte träume. Besonders in der Prosaphase. Dann packt es mich aber auch manchmal beim Duschen oder Kochen und es müssen immer überall Stift und Papier bereit liegen. Es gibt bei mir da keinen Knopf zum ein- und ausschalten.
Angst hatte ich bisher keine, was vielleicht anders sein könnte, wenn ich einen Krimi schreiben würde.

Was für Bücher gibt es bisher von dir zu kaufen? Bist du auf ein Genre fixiert oder könntest du dir auch vorstellen, mal was ganz anderes auszuprobieren?

Brigitte: Bisher gibt es "Tochter der Freiheit" bei Amazon als ebook und bei Amazon.com auch als Print Buch zu kaufen.
Ich bin ein bisschen auf Liebesgeschichten fixiert. Erotische Thriller interessieren mich auch. Krimis ebenfalls immer wieder mal gerne, aber eher die psychologischen und nicht unbedingt die blutigsten. Ob ich mich in anderen Genres ausprobieren will, weiß ich noch nicht. Es kommt bei mir auf den Stoff an, der dann eine bestimmte Erzählform braucht.  

Hast du schon einmal eine Lesung veranstaltet/ Wie könnte eine Lesung bei dir aussehen bzw wie sieht sie aus?

Brigitte: Meine erste Lesung findet voraussichtlich am 21. April 2012 in der Eifel, Kleinkunstbühne Stadtkyll statt. Darauf bin ich schon sehr gespannt. Ein bisschen Lampenfieber habe ich natürlich auch. Aber ich freue mich schon sehr darauf mit meinem Buch mal hinter dem Laptop hervorzutreten. Hoffentlich habe ich dazu in Zukunft öfter die Gelegenheit.

Was ist das Besondere an deiner Art zu schreiben?

Brigitte: Der Leser erlebt die Geschichte mit, kann sich mit Figuren identifizieren und in eine fremde Welt eintauchen. Es ist mein Anspruch an mich selbst, dass der Leser ein permanentes Lesevergnügen bekommt. Man muss keine Spannungsknicks überdauern und kann sich voll in das Buch vertiefen.
Um dieses Ziel zu erreichen, sind umfangreiche strukturelle Vorarbeiten nötig und natürlich ist die Sprache sehr wichtig! Ich feile am Text herum, bis ich zufrieden bin.

Wie sieht es mit deiner Disziplin aus? Bist du eher ein Tag- oder Nachtarbeiter? Wie gehst du einen neuen Stoff an?

Brigitte: Meine kreativste Arbeitszeit ist von mittags bis zum frühen Abend. Nachts kann es noch mal von 22.00 bis 24.00 Uhr inspirativ sein. In der Zeit lasse ich mich eher treiben, mache Brainstorming oder Notizen, die nicht unbedingt im Zusammenhang mit der aktuellen Schreibarbeit des Tages stehen.
Ich bin schrecklich diszipliniert. Einen neuen Stoff recherchiere ich sehr gründlich, dann konzipiere und fantasiere ich mögliche Personen und den Plot, langsam packt es mich und ich folge meinem Instinkt. Jetzt kann mir von überall etwas begegnen oder zufliegen, was mich inspiriert. Das muss ich sofort notieren. Später ordne ich meine Notizen so, dass ich darauf Zugriff habe, wenn ich sie brauche.
Inhaltlich habe dann ich wesentlich mehr Stoff als ich in dem Buch tatsächlich verwende. Die Vorarbeiten zu meinem Roman waren enorm wichtig und zeitintensiv. Die Prosaphase ist dann das eigentliche Vergnügen.
 
Wie stark setzt einen die Arbeit als Autor unter Druck? Wie gehst du mit Deadlines und der Erwartungshaltung deiner Leser um?

Brigitte: Die Arbeit an einem Buchprojekt setzt mich mehr unter Strom als unter Druck. Vielleicht weil ich bisher keine Deadlines kenne. Eine Erwartungshaltung meiner Leser gibt es in dem Sinne auch noch nicht, da "Tochter der Freiheit" mein erster veröffentlichter Roman ist.

Wie sieht es mit dem Traum von der eigenen Bekanntheit aus? Siehst du auch Nachteile?

Brigitte: Ich möchte, dass mein Roman bekannt wird, weil ich viele Menschen auf der ganzen Welt gut unterhalten will. Ob das mit der Bekanntheit der eigenen Person einhergeht, ist mir nicht so wichtig.
Über die Nachteile kann ich nur spekulieren. Sicher ist es nicht leicht mit dem Erwartungsdruck klarzukommen. Es wäre eine persönliche Herausforderung mit der eigenen Popularität umzugehen.

Welche Eigenschaften sollte ein zukünftiger Autor mitbringen?

Brigitte: Absolute Begeisterung für das Thema, Durchhaltevermögen, sein Ego zurückstellen und sich ganz der Aufgabe verschreiben.

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie ist an dem Spruch, daß Genie und Wahnsinn nahe beieinander liegen, tatsächlich was dran. Zumindest fanden sich in den Gehirnen kreativer und künstlerisch tätiger Menschen Veränderungen, die denen geistig kranker Menschen ähnelten. Wie denkst du darüber? Sind Schriftsteller eine besondere Spezies?

Brigitte: Dass Genie und Wahnsinn nah beieinander liegen, kann ich mir gut vorstellen. Extreme nähern sich an. Schriftsteller sind Künstler von der Spezies her, nicht unbedingt Genies. Sie ticken nicht wie Geschäftsleute, Büroangestellte oder Verkäufer. Kreativität lässt sich nicht exakt timen und abarbeiten, sie ist eher eine Lebensform.

Wie sieht für dich der ideale Verlag aus? Was würdest du dir von einem Verlag wünschen?

Brigitte: Eine astreine Promotion! Eine Werbung, die dem Buch die Hebelwirkung verleiht, die es verdient.

Viele Autoren veröffentlichen ihre Bücher inzwischen ohne Verlag, manche mit ganz beachtlichem Erfolg. Das eBook ist im Kommen, Verlage versuchen sich an völlig neuen Konzepten. Wie stellst du dir den Buchmarkt in zehn Jahren vor?

Brigitte: Ich denke, das ebook wird sich etablieren, eine gleichwertige Lesemöglichkeit darstellen. Verlage werden zunehmend doppelgleisig fahren und parallel zum gedruckten Buch das ebook anbieten. Außerdem vermute ich, dass im Literaturbetrieb Indie-Autoren eine ähnliche Entwicklung durchlaufen werden, wie Indie-Bands in der Musikindustrie.

Worauf dürfen wir uns als nächstes aus deiner Feder freuen? Woran arbeitest du gerade?

Brigitte: Es gibt Überlegungen zu einem neuen Buchprojekt. Erste Vorarbeiten sind gemacht, aus Zeitmangel bin ich jedoch noch nicht voll involviert. Es wird jedenfalls wieder ein Liebesroman.
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Vielen Dank für das interessante Interview, liebe Brigitte.

Liebe Leser, vielleicht haben Sie Lust bekommen, noch mehr über Brigitte Chinaka und ihr erstes Buch zu erfahren.  Dann schauen Sie doch einmal auf ihrem Blog vorbei.
Ihr Roman "Tochter der Freiheit" ist als eBook und als Taschenbuch erhältlich.

Nachtrag: die im Interview erwähnte Lesung am 21. April mußte leider kurzfristig abgesagt werden. Wer Brigitte Chinaka einmal live erleben möchte, hat stattdessen die Gelegenheit, sie am 1. Juni 2012 in der Mayerschen Buchhandlung, Neusserstraße in Köln kennenzulernen, wo ihre nächste Lesung stattfinden wird.




Nächste Woche im Interview: George Tenner


Sonntag, 8. April 2012

Freitag, 6. April 2012

Autoreninterview mit Markus Heitz

Liebe Leser,

während der Osterhase bereits in den Startlöchern steht, alle Welt mit Basteln und Eierfärben beschäftigt ist, gibt es auf Blog Grün auch heute wieder ein Autoreninterview.
Mein heutiger Gast hat in den vergangenen Jahren ganze Welten in seinen Büchern erschaffen. Er gehört zu den erfolgreichsten deutschen Fantasyautoren und wurde bereits für seinen Debutroman mit dem deutschen Phantastikpreis ausgezeichnet. Begrüßen Sie mit mir Markus Heitz.

Lieber Markus, ganz herzlichen Dank, daß du dich bereit erklärt hast, meine Fragen zu beantworten. Wo lagen denn bei dir die Anfänge? War es schon immer dein Wunschtraum, Geschichten zu schreiben oder gab es irgendein Schlüsselerlebnis? 

MH: Mit 14 war der Wunsch einfach da. In der 11. Klasse wollte ich Autor werden und bin es über Umwege auch geworden. Alles fügt sich, wenn man nicht verkrampft, die Nerven behält und das Ziel nicht aus den Augen verliert.

Wie stark steckst du in in deinen Themen drin? Kommt es vor, daß dich die Handlung einer Geschichte bis in deine Träume verfolgt oder dir sogar Angst macht?

MH: Nein. Ich träume übrigens so gut wie gar nicht, und wenn doch, hat es nichts mit meiner Story zu tun. Ich kann auch einfach vom Schreibtisch aufstehen und die Story verlassen. Darüber bin ich sehr froh.

Was für Bücher gibt es bisher von dir zu kaufen? Bist du auf ein Genre fixiert oder könntest du dir auch vorstellen, mal was ganz anderes auszuprobieren?

MH: Aktuell sind es wohl 31 ... überwiegend Horror, SF und Phantastik. Es wird auch eines Tages mal was rein Humoristisches geben. Oder einen Thriller. Wozu sich selbst einschränken?

Hast du schon einmal eine Lesung veranstaltet/ Wie könnte eine Lesung bei dir aussehen bzw wie sieht sie aus?

MH: Na ja, ich mache im Jahr ungefähr 40 Veranstaltungen, inklusive Buchmessen und Conventions. Lesungen sind meistens eine Stunde, ich habe vier kleine Szenen, aufgebaut wie in einem Kinotrailer. Die Leute sollen angefixt werden. Danach stehe ich für alle möglichen Fragen zur Verfügung. 

Was ist das Besondere an deiner Art zu schreiben?

MH: Keine Ahnung. Da müsste man die Leute fragen, die es lesen. :o)

Wie sieht es mit deiner Disziplin aus? Bist du eher ein Tag- oder Nachtarbeiter? Wie gehst du einen neuen Stoff an?

MH: Jeden Tag wird geschrieben. Schreiben und Kreativität gehören zu meinem Leben, ich unterscheide da nicht. Es geht von der kleinen Idee zu einem Plot zum Buch. Ich plane die Handlungen vorher. 

Wie stark setzt einen die Arbeit als Autor unter Druck? Wie gehst du mit Deadlines und der Erwartungshaltung deiner Leser um?

MH: Ich verspüre glücklicherweise keinen Druck. Ich bin richtig entspannt und habe Spaß an dem, was ich tue. Mein Vorteil ist, dass es genug Menschen gibt, die meine Bücher kaufen und denen es gefällt, ohne dass ich mich verbiegen muss. Ich hoffe, es bleibt lange so. Denn verbiegen kann ich mich nicht.

Wie sieht es mit dem Traum von der eigenen Bekanntheit aus? Siehst du auch Nachteile?

MH: Als Schriftsteller ist das alles noch sehr entspannt.

Welche Eigenschaften sollte ein zukünftiger Autor mitbringen?

MH: Die Liebe zum Schreiben. Alles andere nimmt er dann von selbst auf sich.

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie ist an dem Spruch, daß Genie und Wahnsinn nahe beieinander liegen, tatsächlich was dran. Zumindest fanden sich in den Gehirnen kreativer und künstlerisch tätiger Menschen Veränderungen, die denen geistig kranker Menschen ähnelten. Wie denkst du darüber? Sind Schriftsteller eine besondere Spezies?

MH: Man ist sehr konzentriert auf das, was man tut. Aber als "merkwürdig" betrachte ich mich nicht - mein Hirn arbeitet vielleicht auf manchen Ebenen nur anders.

Wie sieht für dich der ideale Verlag aus? Was würdest du dir von einem verlag wünschen?

MH: Klingt komisch, aber die Verlage, bei denen meine Bücher erscheinen, sind schon ganz in Ordnung. :o)

Viele Autoren veröffentlichen ihre Bücher inzwischen ohne Verlag, manche mit ganz beachtlichem Erfolg. Das eBook ist im Kommen, Verlage versuchen sich an völlig neuen Konzepten. Wie stellst du dir den Buchmarkt in zehn Jahren vor?

MH: Dass man sich zuerst ein Buch runterlädt und DANACH das gedruckte Buch für das Regal bestellt, und zwar in der Ausstattung, wie man möchte: Taschenbuch, Hardcover, Schmuckedition. Der Weg wird umgekehrt gegangen.

Worauf dürfen wir uns als nächstes aus deiner Feder freuen? Woran arbeitest du gerade?

MH: Aktuell an der Überarbeitung des dritten Albae-Bandes DUNKLE PFADE, die im August/ September erscheinen.

Lieber Markus, ganz herzlichen Dank für die interessanten Antworten.
Liebe Leser, weitere Informationen über Markus Heitz und seine Werke finden Sie auf seiner Homepage oder auf seiner Amazon Autorenseite. 



Nächsten Freitag im Interview: Brigitte Chinaka


Mittwoch, 4. April 2012

Ein paar Tips...


...wie Sie als Autor garantiert in den Schlagzeilen landen. (Oder auch anderswo)

Halleluja! Seit Jahren haben Sie auf diesen Moment gewartet. Nach einer nahezu endlosen Zeit des Hoffens und Bangens ist endlich Ihr erstes Buch erschienen. Das Problem ist nur: niemand weiß etwas davon!
Das sollten Sie schleunigst ändern. Also lassen Sie den Kopf nicht hängen und stürzen Sie sich mutig ins Getümmel. Interviews und Lesungen haben Sie bisher immer nur zum Gähnen gebracht? Dann gibt es hier ein paar Tips, wie Sie der Karriere ein wenig auf die Sprünge helfen können.

Zuallererst lassen Sie sich ein großes Plakat mit dem Cover Ihres Buches drucken. Scheuen Sie hierfür keine Kosten, das Material muß stabil und am besten abwaschbar sein, schließlich sollen Sie es die nächsten Monate ständig bei sich tragen, um es im geeigneten Moment auszurollen und damit die Leute auf Ihr Werk hinzuweisen. Von einer Tätowierung des Titels auf Stirn, Wange oder sonstigen gut sichtbaren Stellen rate ich ab, es sei denn, Sie schreiben nur etwa alle 20 Jahre einen Roman, sonst könnten sich schnell Platzprobleme einstellen.

Nutzen Sie beispielsweise die Buchmesse für Ihre Zwecke. Dort finden Sie nicht nur jede Menge Menschen, es handelt sich sogar um Menschen, die sich für Bücher interessieren. Wenn das nicht der ideale Ort für dramatische Auftritte ist.
Gibt es da vielleicht einen befreundeten Autoren, dem Sie im Stillen schon immer die Pest an den Hals gewünscht haben? Inszenieren Sie ein Duell oder besser noch eine wüste Schlägerei. Natürlich warten Sie den richtigen Moment ab, wenn sich jemand von der Presse oder besser noch das Fernsehen in Reichweite befindet. Aber Vorsicht, es könnte sinnvoll sein, Ihren Gegner vorher in Ihre Pläne miteinzubeziehen, vor allem, wenn er Sie um mehrere Kopflängen überragt.

Auch ein Gefecht aus dem Stehgreif kann ein unterhaltsames Schauspiel bieten. Die Idee, das eigene Buch als Waffe einzusetzen, ist hingegen gründlich abzuwägen. Gegen einen 800-Seiten-Bildband über Ludwig den Vierzehnten wird ihr dünnes Gedichtbändchen vermutlich den Kürzeren ziehen. Anschließend spendieren Sie dem Kollegen einen Schnaps, holen Sie das Plakat mit Ihrem Buchcover heraus und lachen Sie vereint in die Kamera. Was sind schon ein paar Zahnlücken mehr gegen eine solche Publicity?

Zu gewalttätig? Sie sind viel zu pazifistisch, friedliebend oder auch nur zu ungelenkig für eine solche Aktion? Nun gut, was halten Sie stattdessen von einem Lauf quer durch die Halle Ihres Verlages? Klingt doch einfach, nicht wahr? In der einen Hand halten Sie natürlich wieder Ihr Plakat, in der anderen eine Fußballtröte, damit die Leute Sie auch sicher wahrnehmen. Noch effektiver wird das ganze, wenn Sie sich zuvor Ihrer Kleidung entledigen. Für Flitzer haben die Medien immer ein offenes Ohr.

Aber auch Lesungen müssen nicht unbedingt langweilig sein. Lassen Sie sich etwas einfallen, machen Sie ein Event draus. Sie stottern beim Lesen, die Leute scharren unruhig mit den Füßen? Dann sollten Sie sich schnell eine Alternativkampagne überlegen. In den siebziger Jahren verteilten Autoren in solchen Fällen Haschplätzchen, um die Stimmung zu retten. Doch es gibt selbstverständlich auch legale Methoden, um die Aufmerksamkeit wieder auf sich zu ziehen.

Lassen Sie sich vom Veranstalter einen Teller mit Kartoffelbrei bringen. Machen Sie ein Spiel aus Ihrer Lesung. Die Leute lieben solche Spiele. Lesen Sie beispielsweise mit vollem Mund und lassen Sie Ihr Publikum die Worte erraten. Das macht Spaß und schafft ein großartiges Gemeinschaftsgefühl. Anschließend könnten Sie den ein oder anderen Löffel Püree in die vorderen Reihen abschießen. Auf diese Art werden Sie sehr schnell feststellen, ob Ihre Fans Spaß verstehen. Prüfen Sie jedoch zuvor sorgfältig, ob sich der zwei Meter große Autor des 800 Seiten-Wälzers irgendwo im Raum befindet. Kommt es wider Erwarten zu ernsthaften Handgreiflichkeiten, achten Sie einfach nur darauf, daß der Fotograf Sie in einem vorteilhaften Blickwinkel erwischt.

All Ihre Bemühungen haben nichts genutzt? Niemand versteht Sie, und jetzt sitzen Sie schon seit Wochen in diesem dämlichen Raum mit den nachgiebigen Wänden. Trösten Sie sich, so haben Sie wenigstens ausgiebig Zeit zum Schreiben. Und ich, ich überlege mir ein paar grandiose Ersatztips für die Zeit nach der Klapse. Mit denen werden Sie dann bestimmt berühmt. Versprochen. :)


PS: A propos Lesung, kennen Sie schon meine neue Terminseite? Hier finden Sie ab sofort alle Lesungstermine rund um meinen Kriminalroman Friesensturm. Sie sind selbstverständlich herzlich eingeladen. Ob es Kartoffelbrei gibt? Lassen Sie sich einfach überraschen. :)

Montag, 2. April 2012

Der Gewinner steht fest

Liebe Leser,

wir schreiben den 2. April, die Einsendefrist für das Lösungswort zu meinem Ostergewinnspiel ist gestern zu Ende gegangen. An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei allen Teilnehmern bedanken. Wie schön, daß diese Idee so gut aufgenommen wurde. Ich habe mich sehr über die vielen Zuschriften gefreut.

Heute in den frühen Morgenstunden hat meine kleine Glücksfee, die sich übrigens schon seit Tagen auf diese Aufgabe gefreut hat, den Gewinner meines Ostergewinnspiels aus dem Hut gezogen.
Gewonnen hat Karl-Heinz Neumann.
Herzlichen Glückwunsch!!!
Ihr Gewinn, ein österliches Überraschungspäckchen, wird sich noch heute auf den Weg zu Ihnen machen. Ich wünsche viel Freude damit.


Liebe Grüße und Ihnen allen einen guten Start in die neue Woche wünscht

Birgit Böckli