Dienstag, 29. Mai 2012

Wörterkiste #3

Hochverehrte Leserinnen und Leser,

ich weiß, abgesehen von den wöchentlichen Interviews hat es in den vergangenen Tagen und Wochen nur wenige Beiträge auf Blog Grün gegeben, wofür ich mich entschuldigen möchte.
Nichtsdestotrotz möchte ich heute wieder einmal die Schrauben am Deckel der Wörterkiste ein Stückchen lösen, damit Sie einen vorsichtigen Blick auf meine neuesten Fundstücke werfen können, wie immer aus gebührendem Abstand, denn Worte können verdammt gefährlich sein, nicht daß sich später jemand über den ein oder anderen abgebissenen Finger beschwert.

Und hier sind sie, die lieben Kleinen:

Vielleicht manchen noch in Erinnerung ist der Begriff Pferdeoper für die Western der 50er und 60er Jahre.
Das Wort Hackenporsche ist eine umgangssprachliche Verunglimpfung des gemeinen Einkaufsrollers.
Karnickelpaß lautete die volkstümliche Bezeichnung eines Berechtigungsscheines aus den 90er Jahren, mit dem Kinder kinderreicher Familien zu ermäßigten Bedingungen mit der Bahn fahren konnten.

Und dann gab es da noch Philipp von Zesen. Von Zesen war ein Dichter des 17. Jahrhunderts, aber er tat noch etwas anderes. Neben seinen eigenen Werken war ihm nämlich daran gelegen, die deutsche Sprache zu retten, die schon damals sehr viele Fremdwörter beinhaltete. Also erfand er deutsche Übersetzungen für Begriffe, die es bisher nur in eingedeutschter Form gab. Ihm verdanken wir beispielsweise Worte wie Augenblick (Moment), Leidenschaft (Passion) oder Anschrift (Adresse)
Doch hin und wieder ging bei dieser ehrenvollen Tätigkeit offenbar doch der Dichter mit ihm durch, denn es gibt einige Worte, die sich (zum Glück) nicht durchsetzen konnten.
Ein Beispiel ist der Meuchelpuffer, der das Wort Pistole ersetzen sollte.
Auch Dörrleiche anstatt Mumie oder Tageleuchter als Ersatz für Fenster fanden in der Gesellschaft keinen Anklang. Aber ich finde, allein für diese Ideen gehört dem Mann ein Orden verliehen.
Bei Wikipedia findet sich übrigens noch mehr über Philipp von Zesen und seine Wortschöpfungen.

Herzliche Grüße und eine schöne Woche
Birgit Böckli

Freitag, 25. Mai 2012

Autoreninterview mit Anja Ollmert

Liebe Leser,
es ist kaum zu glauben, wie die Zeit vergeht. Schon zum sechzehnten Mal habe ich heute das Vergnügen, einen anderen Autor bzw eine Autorin auf meinem Blog im Rahmen eines Interviews willkommen zu heißen. 
Heute möchte ich Ihnen Anja Ollmert vorstellen. Sie kommt aus dem Ruhrgebiet und erwartet in Kürze, nach unzähligen Kurzgeschichten, die Veröffentlichung ihres ersten Romans.




Herzlich Willkommen, liebe Anja, und erst einmal vielen Dank, daß du dich meinen Fragen gestellt hast. Von vielen Autoren habe ich inzwischen gehört, daß sie schon recht jung zur Feder gegriffen haben, andere kamen erst sehr viel später, manchmal durch ein ganz bestimmtes Ereignis auf die Idee, selbst Bücher zu verfassen. Wie war das bei dir? War es schon immer dein Wunschtraum, Geschichten zu schreiben oder gab es irgendein Schlüsselerlebnis?

Anja: Ich habe schon als Jugendliche viel gelesen, aber auch geschrieben, allerdings handelte es sich damals meist um lyrische Texte, Songtexte und Prosagedichte. Nach einer Klausur habe ich einmal die Aufgabe erhalten die offene Arbeitszeit damit zu füllen, ein Gedicht zu verfassen. Nach einer Viertelstunde war ich auch damit fertig und habe meinem Lehrer das Gedicht überreicht. Er las es und schmunzelte – was bei ihm durchaus bemerkenswert war – dann durfte ich den Klausursaal vorzeitig verlassen. Er selbst war Zentrum dieses Gedichtes, das ich leider nicht aufbewahrt habe…

Wie stark steckst du in deinen Themen drin? Kommt es vor, dass dich die Handlung einer Geschichte bis in deine Träume verfolgt oder dir sogar Angst macht?

Anja: Es kann schon mal sein, dass man von einzelnen Fragmenten träumt oder plötzlich aufwacht und sich der Plot wie von selbst weiterentwickelt hat. Dann muss ich mir  die Idee notieren, denn oft liegt sie am Morgen in einem undurchdringlichen Nebel und ich komme einfach nicht mehr an den guten Gedanken heran. Angst vor der Handlung allerdings hatte ich bisher noch nicht, eher davor, dass der Impuls vergessen wird, wenn ich ihn nicht notieren kann.

Was für Bücher gibt es bisher von dir zu kaufen? Bist du auf ein Genre fixiert oder könntest du dir auch vorstellen, mal was ganz anderes auszuprobieren?

Anja: Auf meiner Homepage befinden sich zahlreiche Kurzgeschichten, die aus sehr unterschiedlichen Genres stammen. Kürzlich hab ich es mit einem Thriller versucht – und auch da lässt sich erkennen, dass es sich gelegentlich lohnt in ein ungewohntes Textkostüm zu schlüpfen.
In Kürze wird beim Berliner AAVAA-Verlag mein erstes Buch „Aoife“ erscheinen. Der derzeitige Arbeitstitel dieser Fantasyromanze ist ein alter keltischer Name, der zugleich die Protagonistin benennt. Mein Wunsch ist es, dass das Buch unter dem Entwurfstitel erscheint, doch so weit sind die Verhandlungen noch nicht gediehen.

Hast du schon einmal eine Lesung veranstaltet/ Wie könnte eine Lesung bei dir aussehen bzw. wie sieht sie aus?

Anja: Bei meiner ersten Lesung habe ich aus einer Anthologie gelesen, die zum 75-jährigen Jubiläum der Stadt erschien, in der ich wohne. Dort habe ich meine ersten Vorleseerfahrungen gemacht. Halt, vor einigen Jahren habe ich schon einmal bei einer Schreibwerkstatt einen Text vorgetragen. Das ist schon so lange her, dass ich es verdrängt hatte.
Bei der Lesung im Februar 2012 jedenfalls befand ich mich auf einer alten Bauernhoftenne. Dort hatte man für die Autoren einen sehr bequemen roten Sessel reserviert. Es war also fast so, als säße man mit seinen Gästen im eigenen Wohnzimmer. Sehr persönlich und sehr gemütlich.
Würde ich aus Aoife vorlesen, wäre es mein Wunsch, die keltisch-irische Grundstimmung durch Musik und Getränke (es geht nichts über einen irischen Whiskey) und schöne Bilder rüberzubringen. Ich möchte die Leser mit dem Buch ja auch auf eine Gedankenreise mitnehmen, die sie über die Grenzen der eigenen Fantasie führen soll.

Was ist das Besondere an deiner Art zu schreiben?

Anja: Ich kann nicht sagen, ob ich eine besondere Art zu schreiben habe. Ich weiß, dass ich dazu neige, Schachtelsätze zu formulieren. Das sind dann die Stellen, die ich mühselig bearbeiten muss, damit sie dem Leser nicht zur Stolperfalle werden.

In meinen Kurzgeschichten kann es aber gelegentlich passieren, dass ich die Beobachtung der Szene von außen über den Dialog stelle. Das muss man als Leser mögen.
Bei Aoife aber bin ich natürlich nicht ohne Dialoge zurecht gekommen. Sie steht mitten im Leben und das spürt man auf jeder einzelnen Seite, denke ich. 

Wie sieht es mit deiner Disziplin aus? Bist du eher ein Tag- oder Nachtarbeiter? Wie gehst du einen neuen Stoff an?

Anja: Ich gehöre nicht zu den Autoren, die einen Plot schon fertig im Kopf haben, ehe sie sich an die Tastatur begeben. Man sagt ja über J.K. Rowlings, sie habe alle sieben Teile von Harry Potter bereits im Kopf gehabt. Meine Geschichten hingegen entwickeln sich und die Figuren werden auch für mich lebendig, entwickeln sich weiter und bedingen Aktionen und Reaktionen der anderen Charaktere. In der Regel arbeite ich tagsüber, immer dann, wenn sich ein Zeitfenster öffnet. Da ich auch viel ehrenamtlich unterwegs bin, ist das manchmal schwierig.

Wie stark setzt einen die Arbeit als Autor unter Druck? Wie gehst du mit Deadlines und der Erwartungshaltung deiner Leser um?

Anja: Vor dem Erscheinen des ersten Buches ist das selbstverständlich kein Problem. Meine Leserschaft muss ich ja erst noch gewinnen. Doch ich kann mir schon vorstellen, dass der Umgang mit einer andauernden Schreibblockade nicht angenehm ist, wenn man eine Deadline bedienen muss. Diese Frage würde ich gern nach einigen erfolgreichen Jahren noch einmal beantworten dürfen.

Wie sieht es mit dem Traum von der eigenen Bekanntheit aus? Siehst du auch Nachteile?

Anja: Nun, meine Texte teile ich gern mit anderen, denn sie sind keinesfalls  für die eigene Schublade verfasst worden. Ich rechne allerdings nicht mit allzu großer Berühmtheit und würde mich schon über eine große Anzahl von Lesern freuen, die ich auf eine Gedankenreise  mitnehmen konnte. Zu wissen, was die Leser bei der Lektüre empfunden haben, finde ich aber sehr wichtig, denn ich genieße die Interaktion mit Menschen, die meine Texte gelesen haben. Auf der Straße erkannt werden möchte ich nicht unbedingt. Mein Privatleben ist eine Sache, die mit meiner Autorentätigkeit nicht zwingend einhergehen muss.

Welche Eigenschaften sollte ein zukünftiger Autor mitbringen?

Anja: Eins steht an erster Stelle -  das nötige Durchhaltevermögen.
Zudem muss man Freude an einem gedanklichen Exhibitionismus haben. Meine Texte enthalten immer auch eigene Emotionen, die ich offen lege, damit andere sie bewerten können. Das muss man sich deutlich machen und auch die Kritik aushalten, die damit einher geht.

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie ist an dem Spruch, dass Genie und Wahnsinn nahe beieinander liegen, tatsächlich was dran. Zumindest fanden sich in den Gehirnen kreativer und künstlerisch tätiger Menschen Veränderungen, die denen geistig kranker Menschen ähnelten. Wie denkst du darüber? Sind Schriftsteller eine besondere Spezies?

Anja: Alle Menschen, die ihre Gedanken und Emotionen nicht für sich behalten, gehören einer besonderen Spezies an – die Schriftsteller sind da nur eine „Untergattung“, alle Schauspieler, Musiker oder Maler tun das auf ihre Weise. Als krank würde ich diese Offenheit aber nicht bezeichnen – vielleicht eher als gefährlich, wenn andere die Offenheit ausnutzen.

Wie sieht für dich der ideale Verlag aus? Was würdest du dir von einem Verlag wünschen? 

Anja: Ich würde mir eine breite Unterstützung für mich als Autor wünschen, denn der Autor ohne den Verlag macht ebenso wenig Sinn, wie die umgekehrte Variante.

Viele Autoren veröffentlichen ihre Bücher inzwischen ohne Verlag, manche mit ganz beachtlichem Erfolg. Das eBook ist im Kommen, Verlage versuchen sich an völlig neuen Konzepten. Wie stellst du dir den Buchmarkt in zehn Jahren vor?

Anja: Ich bin selbst begeisterter E-Book-Nutzer. In meiner Handtasche trage ich ein Bücherregal mit mir herum, in das 350 einzelne Werke passen würden. Trotzdem hat das traditionelle Buch für mich einen hohen Stellenwert. Bücher, die mich in der Vergangenheit gefesselt haben, möchte ich auch gerne besitzen und sie dann und wann zur Hand nehmen können. Ich hoffe auf eine friedliche Koexistenz beider Literaturformen. Wichtiger ist, dass die Menschen sich das Lesen nicht nehmen lassen sollten. Ein Computer kann das Leseerlebnis niemals ersetzen.

Worauf dürfen wir uns als nächstes aus deiner Feder freuen? Woran arbeitest du gerade? 

Anja: Es wird einen zweiten Roman von mir geben, bei dem ein altes schottisches Adelsgeschlecht und seine Verbindung zur Feenwelt eine zentrale Rolle spielen. „Das Feentuch“ orientiert sich an der Sage des Clan der McLeod auf der Insel Skye. Dieses Tuch ist im Besitz des Clans und verfügt über jahrhundertealte, magische Fähigkeiten. Ich hoffe, nach der Vollendung auch dafür einen geeigneten Verlag zu finden.


Liebe Anja, ganz herzlichen Dank für das tolle Interview.
Und wie immer, liebe Leser, hoffe ich natürlich, daß es Ihnen gefallen hat und Sie vielleicht Lust bekommen haben, sich näher mit Anja Ollmert und Ihren Texten zu beschäftigen. Hier finden Sie ihre Homepage und ihre Xinxii Autorenseite.



Nächsten Freitag im Interview: Florian Tietgen

Freitag, 18. Mai 2012

Autoreninterview mit Birgit Kluger

Liebe Leser, meine heutige Freitagsautorin begann bereits vor über zwei Jahrzehnten damit, erste Romane zu Papier zu bringen. Ihre erste Veröffentlichung liegt aber noch gar nicht allzu lange zurück. Inzwischen sind mehrere ihrer Bücher als eBooks erschienen, und ich freue mich sehr, sie heute im Interview zu haben. Begrüßen Sie mit mir Birgit Kluger.


Liebe Birgit, ich freue mich sehr, dich in meiner Reihe dabeizuhaben. Dafür ganz herzlichen Dank. Auf deinem Blog schreibst du, daß du schon vor langer Zeit damit begonnen hast, erste Texte zu verfassen. Wie kam es dazu? War es schon immer dein Wunschtraum, Geschichten zu schreiben oder gab es irgendein Schlüsselerlebnis?

Birgit: Ein Schlüsselerlebnis gab es nicht. Ich habe aber schon als Kind Bücher geradezu verschlungen, irgendwann formte sich dann der Wunsch selbst Geschichten zu schreiben in denen sich der Leser  verlieren kann.

Wie stark steckst du in deinen Themen drin? Kommt es vor, daß dich die Handlung einer Geschichte bis in deine Träume verfolgt oder dir sogar Angst macht?

Birgit: Zum Glück schreibe ich meist keine Geschichten, die mir Angst machen würden. Selbst mein Krimi „Trau niemals einem Callboy“ ist eher eine Krimikomödie als ein Thriller in dem Blut spritzt. Bis in meine Träume verfolgt mich die Handlung nicht, aber tagsüber wenn ich Zeit habe, verliere ich mich oft in unterschiedlichen Szenen und Handlungssträngen.

Was für Bücher gibt es bisher von dir zu kaufen? Bist du auf ein Genre fixiert oder könntest du dir auch vorstellen, mal was ganz anderes auszuprobieren?

Birgit: Von mir gibt es bisher den Roman „Schau ihr in die Augen“, der von Droemer Knaur verlegt wurde und den Krimi „Trau niemals einem Callboy“, den ich selbst über Amazon herausgebracht habe. Außerdem noch das Dämonenfluch Fantasy-Serial, das ich ebenfalls selbst publiziere. Du siehst also, ich lege mich nicht gerne auf ein Genre fest. :)

Hast du schon einmal eine Lesung veranstaltet/ Wie könnte eine Lesung bei dir aussehen bzw wie sieht sie aus?

Birgit: Nein, das habe ich bisher noch nicht getan und werde es wohl auch zukünftig nicht tun. Der Grund dafür ist einfach: ich bin zu nervös. Wahrscheinlich würde ich schon drei Wochen vor der Lesung nicht mehr schlafen können.

Was ist das Besondere an deiner Art zu schreiben?

Birgit: Wahrscheinlich, dass ich selbst nie weiß wie die Geschichte weitergehen wird. Ich gehöre nicht zu den Autoren, die vorher einen genauen Plot konzipieren. Bei mir steht am Anfang eine Idee, die entwickelt sich dann im Laufe des Schreibens weiter. So lange bis daraus entweder ein Buch, eine Geschichte oder in manchen Fällen auch nur ein Fragment entstanden ist.

Wie sieht es mit deiner Disziplin aus? Bist du eher ein Tag- oder Nachtarbeiter? Wie gehst du einen neuen Stoff an?

Birgit: Mit der Disziplin ist das so eine Sache. Oft dauert es ein paar Tage oder Wochen bis ich mich wirklich dazu bringen kann mich hinzusetzen und zu schreiben. Das nervt mich meistens selbst ziemlich, aber mittlerweile akzeptiere ich es. Das Gute daran ist, dass ich die Zeit bis ich endlich anfange, damit nutzen kann verschiedene Versionen, neue Ideen u.ä. im Kopf durchzuspielen.

Wie stark setzt einen die Arbeit als Autor unter Druck? Wie gehst du mit Deadlines und der Erwartungshaltung deiner Leser um?

Birgit: Ich glaube zwar, dass Deadlines notwendig sind, zumindest bei meiner Arbeit als Marktanalystin und Fachautorin würde ich ohne Termine wohl gar nichts zustande bringen. Im kreativen Bereich empfinde ich Termindruck oft aber eher als blockierend. Bei mir kommen Ideen nicht auf Kommando, so dass ich im kreativen Bereich lieber ohne Deadlines arbeiten würde.

Wie sieht es mit dem Traum von der eigenen Bekanntheit aus? Siehst du auch Nachteile?

Birgit: Ich glaube als Autor halten sich die Nachteile in Grenzen, denn man steht ja nicht so im Rampenlicht wie bspw. ein Schauspieler. Mein Traum richtet sich auch nicht so sehr darauf aus, bekannt zu werden. Ich möchte nur viele Bücher verkaufen. :) Es geht mir nicht um meine Person, sondern darum gelesen zu werden und von dieser Arbeit leben zu können.

Welche Eigenschaften sollte ein zukünftiger Autor mitbringen?

Birgit: Durchhaltevermögen. Durchhaltevermögen. Durchhaltevermögen.

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie ist an dem Spruch, dass Genie und Wahnsinn nahe beieinander liegen, tatsächlich was dran. Zumindest fanden sich in den Gehirnen kreativer und künstlerisch tätiger Menschen Veränderungen, die denen geistig kranker Menschen ähnelten. Wie denkst du darüber? Sind Schriftsteller eine besondere Spezies?

Birgit: Ich glaube schon, dass wir eine besondere Spezies sind, denn irgendwoher müssen die Ideen und kreativen Impulse ja kommen. Vielleicht haben wir nur einfach die Fähigkeit Phantasie von der Wirklichkeit zu trennen.

Wie sieht für dich der ideale Verlag aus? Was würdest du dir von einem Verlag wünschen?

Birgit: Der ideale Verlag hat einen Lektor, der konstruktive Kritik anbringt (in diesem Punkt habe ich bisher wirklich Glück gehabt). Was mir außerdem wichtig ist betrifft die Kommunikation: ich möchte als Autor ernst genommen werden. Dazu gehört auch, dass ich Antworten auf meine Fragen erhalte und mit mir offen kommuniziert wird. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, ist es aber nicht immer.

Viele Autoren veröffentlichen ihre Bücher inzwischen ohne Verlag, manche mit ganz beachtlichem Erfolg. Das eBook ist im Kommen, Verlage versuchen sich an völlig neuen Konzepten. Wie stellst du dir den Buchmarkt in zehn Jahren vor?

Birgit: Ich glaube in zehn Jahren wird der Buchmarkt eine enorme Veränderung durchlaufen haben und doch in vielen Bereichen noch so sein wie heute. Dabei bin ich mir ziemlich sicher, dass es viele Indie-Autoren geben wird, die erfolgreich sind und es schaffen sich von der großen Masse abzuheben. Ich denke auch, dass die traditionellen Verlagshäuser die Konkurrenz von Amazon sehr stark zu spüren bekommen. Trotzdem bin ich überzeugt, dass das Printbuch nicht vom ebook verdrängt, sondern eher ergänzt wird.

Worauf dürfen wir uns als nächstes aus deiner Feder freuen? Woran arbeitest du gerade?

Birgit: Im Moment arbeite ich gerade an der nächsten Folge meines Dämonenblut Fantasy-Serials. Danach möchte ich ein Buch beenden, das schon seit Jahren auf Seite sechzig stecken geblieben ist. 

Liebe Birgit, ich darf mich ganz herzlich für das interessante Interview bedanken.
Und wer jetzt Lust bekommen hat, mehr über Birgit Kluger und ihre Werke zu erfahren, darf sich gerne einmal auf ihrem Blog umschauen.
Hier gibt es noch die Links zu ihren Ebooks auf Amazon:
Dämonenfluch Fantasy Serial




Nächsten Freitag im Interview: Anja Ollmert

Freitag, 11. Mai 2012

Autoreninterview mit Nele Neuhaus

Liebe Leser, 
meine heutiger Gast hat vor Jahren ganz klein angefangen. Ihre ersten Krimis erschienen zunächst im Selbstverlag. Inzwischen ist sie eine der erfolgreichsten Krimiautorinnen im deutschsprachigen Raum, und ich freue mich riesig, daß sie die Zeit gefunden hat, meine Interviewfragen zu beantworten. Herzlich Willkommen, Nele Neuhaus.

Liebe Nele, ganz herzlichen Dank, daß du dich bereiterklärt hast, an meiner Reihe teilzunehmen. Du hast, glaube ich, schon recht früh mit dem Schreiben angefangen. Wie kam es dazu? War es schon immer dein Wunschtraum, Geschichten zu schreiben oder gab es irgendein Schlüsselerlebnis?

Nele: Ich schreibe Geschichten, seitdem ich mich erinnern kann. Meine Eltern haben (fast) alles aufgehoben, was ich so produziert habe und immer ein Datum dazugeschrieben. So gibt es den Beleg, dass ich mit fünf Jahren meine erste Geschichte verfasst habe – bevor ich in die Schule kam. Die Begeisterung für das Erzählen und Formulieren habe ich mir immer bewahrt und eigentlich mein ganzes Leben lang geschrieben, als Ausgleich zum Job und aus Spaß am Schreiben.

Wie stark steckst du in in deinen Themen drin? Kommt es vor, daß dich die Handlung einer Geschichte bis in deine Träume verfolgt oder dir sogar Angst macht?

Nele: Nein, so weit geht es nicht. Das Schreiben ist ganz prosaisch betrachtet mein Beruf, ein Handwerk. Den Themen begegne ich sehr sachlich, ich recherchiere viel. Allerdings begleiten mich meine Figuren oft bis in meine Träume, und wenn das der Fall ist weiß ich, dass ich „mittendrin“ bin in der Geschichte. Das ist ein gutes Zeichen.

Was für Bücher gibt es bisher von dir zu kaufen? Bist du auf ein Genre fixiert oder könntest du dir auch vorstellen, mal was ganz anderes auszuprobieren?

Nele: Bisher habe ich fünf Kriminalromane, einen Thriller und drei Jugendpferdebücher geschrieben.
Unter Haien (2005/2012)
Eine unbeliebte Frau (2006/2009)
Mordsfreunde (2007/2009
Tiefe Wunden (2009)
Schneewittchen muss sterben (2010)
Wer Wind sät (2011)
Elena – Ein Leben für Pferde, Gegen alle Hindernisse (2011)
Elena – Ein Leben für Pferde, Sommer der Entscheidung (2011)
Charlottes Traumpferd (2012)

Außerdem sind meine Bücher mittlerweile in 15 Sprachen übersetzt worden.

Hast du schon einmal eine Lesung veranstaltet/ Wie könnte eine Lesung bei dir aussehen bzw wie sieht sie aus?

Nele: Ich habe bis heute ungefähr 250 Lesungen gemacht. Meine Lesungen sind keine „Events“, aber ich bin schon ziemlich unterhaltsam. Mit dem stetig wachsenden Publikum habe ich mich auch von der „Nur-Vorleserin“ zur „Entertainerin“ entwickelt,
erzähle zwischendurch Anekdoten und darüber, wie ich Schriftstellerin geworden bin. Heute sitzen bei Lesungen nicht selten mehrere hundert Leute vor mir, aber als ich meine ersten Lesungen vor ein paar Jahren gemacht habe, musste immer meine Familie mit. Wenn sich jemand von der Presse zur Lesung „verirrte“, konnte er dann wenigstens von einem runden dutzend Zuhörern berichten. :)

Was ist das Besondere an deiner Art zu schreiben?

Nele: Tja, das weiß ich auch nicht! Ich habe nie einen Schreibkurs oder so gemacht, bin eine klassische Autodidaktin. Ich schreibe so, wie ich selbst gerne Bücher lesen würde. Natürlich hat sich mein Stil in der Zusammenarbeit mit meiner wunderbaren Lektorin sehr verbessert, ich bin professioneller geworden. Aber was das Besondere an meiner Art zu schreiben ist, kann ich beim besten Willen nicht sagen.

Wie sieht es mit deiner Disziplin aus? Bist du eher ein Tag- oder Nachtarbeiter? Wie gehst du einen neuen Stoff an?

Nele: Ich bin eine mehr oder weniger disziplinierte Tagarbeiterin mit ziemlich festen Arbeitszeiten. Strukturen sind wichtig, sonst schiebt man die Arbeit gerne auf.
Aus einer oft winzigen Idee entsteht in meinem Kopf eine Geschichte. Doch bevor ich anfange zu schreiben, recherchiere ich das Thema gründlich, dann entwickele ich Plot und Figuren. Das dauert ein paar Monate, denn ich ändere immer wieder. Oft hat das fertige Buch so gut wie gar nichts mehr mit den ersten Entwürfen zu tun.

Wie stark setzt einen die Arbeit als Autor unter Druck? Wie gehst du mit Deadlines und der Erwartungshaltung deiner Leser um?

Nele: Am meisten setze ich mich selbst unter Druck, denn ich habe einen hohen Anspruch an mich selbst. Ich möchte meine Leserinnen und Leser nicht enttäuschen, gebe immer mein bestes und bin extrem selbstkritisch.
Glücklicherweise habe ich keine Abgabetermine mehr. Ich bin sehr frei in der Einteilung meiner Schreibzeit, spreche mich aber natürlich mit dem Verlag ab, damit der sein Programm planen kann.
Am Anfang habe ich noch jede Rezension gelesen, habe mich gefreut oder auch mal geärgert. Dazu komme ich heute überhaupt nicht mehr und ich habe auch gelernt, mit negativen Rezis oder Kritik zu leben. Mittlerweile habe ich so viele Leser, dass ich weiß, dass meine Bücher eben nicht jedem gefallen können. Dieses Bewusstsein nimmt viel Druck von mir und ich kann mit Spaß und Freude und in der Gewissheit am Manuskript arbeiten, dass ich wirklich mein Bestes gebe, um meinen Fans spannende Bücher zu schreiben.

Wie sieht es mit dem Traum von der eigenen Bekanntheit aus? Siehst du auch Nachteile?

Nele: Naja, von Bekanntheit habe ich nie geträumt. Nicht einmal von der Bestsellerliste. Das kam ganz plötzlich und über Nacht. Aber bis jetzt hatte ich noch nie eine wirklich schlimme Begegnung. Die Menschen freuen sich, wenn sie mich erkennen und sehen und belästigen mich nie. Schön ist, dass ich mit meiner Bekanntheit etwas bewegen und Gutes tun kann. Ich unterstütze Projekte wie z.B. das FEM Mädchenhaus in Frankfurt und ich habe die Nele-Neuhaus-Stiftung gegründet, die die Lese- und Schreibkompetenz von Kindern und Jugendlichen fördern soll. In die Stiftung fließt ein Großteil meiner Erträge aus den Buchverkäufen. Das ist ein tolles Gefühl und ich bin sehr dankbar, dass der liebe Gott mir das Talent aber auch die Chance gegeben hat, in meinem Leben etwas zu bewegen.

Welche Eigenschaften sollte ein zukünftiger Autor mitbringen?

Nele: Talent zum Geschichtenerzählen und zum Schreiben, die Fähigkeit zur schonungslosen Selbstkritik, sehr viel Disziplin und ein gaaaaanz dickes Fell. Denn die Absagen von Verlagen kommen so sicher wie das Amen in der Kirche. Das Fell sollte aber nicht so dick sein, dass man sich nichts sagen lässt. Kein Buch wird in seiner ersten Fassung veröffentlicht, man muss wieder und wieder am Text arbeiten, feilen, polieren. Das macht für mich persönlich auch den Reiz am Schreiben aus.

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie ist an dem Spruch, daß Genie und Wahnsinn nahe beieinander liegen, tatsächlich was dran. Zumindest fanden sich in den Gehirnen kreativer und künstlerisch tätiger Menschen Veränderungen, die denen geistig kranker Menschen ähnelten. Wie denkst du darüber? Sind Schriftsteller eine besondere Spezies?

Nele: Möglicherweise gibt es die Genies, die dem Wahnsinn nahe sind, im Alkohol- oder Drogenrausch Bücher schreiben, Bilder malen, Kunstwerke schaffen. Ich kenne allerdings niemanden persönlich, der so ist. Die AutorInnen, die ich kenne, sind ganz normale Menschen. Meiner Meinung nach ist Schreiben ein Handwerk, das man bis zu einem gewissen Grad erlernen kann. Allerdings gehört dann doch eben auch Talent dazu, das leider nicht jedem gegeben ist. Viele Leute überschätzen sich und werden dann zwangsläufig enttäuscht.
Ein bisschen verrückt sind wir Autoren aber auf jeden Fall. Immerhin beschäftigen wir uns jeden Tag intensiv mit Problemen von Menschen, die wir uns selbst ausdenken. Das ist manchmal schon beinahe etwas paranoid. Aber es macht Spaß! :)

Wie sieht für dich der ideale Verlag aus? Was würdest du dir von einem verlag wünschen?

Nele: Alles das, was ich bei meinem Verlag, dem Ullstein-Verlag, gefunden habe. Ein kompetentes, aufgeschlossenes Team, eine wunderbare Lektorin, eine großartige Autorenbetreuerin, innovative Marketingideen, faire Verträge. Ich bin aber sicherlich nicht repräsentativ, denn natürlich habe ich als Bestsellerautorin mittlerweile eine Sonderstellung. Aber auch, als noch niemand meinen Namen kannte, wurde ich gut betreut und an den meisten Entscheidungen (Cover, Buchtitel, Klappentext etc.) beteiligt und informiert. 

Viele Autoren veröffentlichen ihre Bücher inzwischen ohne Verlag, manche mit ganz beachtlichem Erfolg. Das eBook ist im Kommen, Verlage versuchen sich an völlig neuen Konzepten. Wie stellst du dir den Buchmarkt in zehn Jahren vor?

Nele: Da ich selbst einen ungewöhnlichen Weg gegangen bin, finde ich die neuen Möglichkeiten zur Buchveröffentlichung spannend und interessant. Es kommt aber immer auf die Erwartungshaltung des Einzelnen an. Ohne einen großen Verlag ist es leider sehr, sehr schwer, wirklich bekannt und erfolgreich zu werden. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Aber wenn man einfach gerne veröffentlichen will und nicht von Bestsellerlisten und Millionenumsätzen träumt, dann kann eine Veröffentlichung per se ein ganz großes Glück sein.
Ich denke, auch in zehn Jahren wird es noch das klassische gedruckte Buch geben. Aber das Ebook ist eine Alternative und wird sich m.E. nach etablieren, weil es einfach praktisch ist, auf einem Reader oder einem Tablet eine ganze Bibliothek mit sich herumtragen zu können ohne einen Bandscheibenvorfall zu riskieren.

Worauf dürfen wir uns als nächstes aus deiner Feder freuen? Woran arbeitest du gerade?

Nele: Ich arbeite gerade am 6. Fall für mein Ermittlerduo Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff. Das Buch soll im Oktober als Hardcover bei Ullstein erscheinen.

Liebe Nele, vielen Dank für das spannende Interview.

Weitere Informationen über Nele Neuhaus und ihre Bücher gibt es auf ihrer Homepage oder auf ihrer Amazon Autorenseite.



Nächste Woche im Interview: Birgit Kluger

Freitag, 4. Mai 2012

Autoreninterview mit Oliver Fehn

Mein heutiger Interviewpartner kann bereits auf eine ganze Reihe Veröffentlichungen zurückblicken. Erst kürzlich erschien sein neuer Roman "Die Klavierbrücke". Ich freue mich sehr, ihn heute bei mir zu Gast zu haben. Herzlich Willkommen, Oliver Fehn.


Lieber Oliver, herzlichen Dank, daß du dich bereit erklärt hast, an meiner Reihe teilzunehmen. Wo lagen bei dir die Anfänge? War es schon immer dein Wunschtraum, Geschichten zu schreiben oder gab es irgendein Schlüsselerlebnis?

Oliver: Ich habe als Junge gern Comics gezeichnet, das ist ja auch was Kreatives und vielleicht als Einstieg gar nicht so schlecht. Wobei mir die Zeichnungen allerdings wichtiger waren; der Inhalt meiner Sprechblasen war eher dürftig. Aber Geschichten habe ich schon immer gern erfunden, und meine Mutter sagte immer: Du übertreibst dermaßen, wenn du was erzählst, man kann wirklich nur die Hälfte glauben. Da hatte sie wahrscheinlich recht, aber ich nenne das mal ganz frech Phantasie.  

Wie stark steckst du in in deinen Themen drin? Kommt es vor, daß dich die Handlung einer Geschichte bis in deine Träume verfolgt oder dir sogar Angst macht?

Oliver: Angst nicht, aber als ich meinen aktuellen Roman „Die Klavierbrücke“ schrieb, hat es mich emotional ziemlich gebeutelt, weil ich darin irgendwie meine ganze Jugend verarbeitet habe, wenn auch verschlüsselt. Da kam verdammt viel hoch, aber es war auch ein Heilungsprozess, wie bei hartnäckigen Wunden, die auf einmal nicht mehr bluten.

Bist du auf ein Genre fixiert oder könntest du dir auch vorstellen, mal was ganz anderes auszuprobieren?

Oliver: In welches Genre etwas passen könnte, das ich grad schreibe, frage ich mich eigentlich nie. Es ist wie bei einem Kind, das man zeugt: Die meisten Kinder mit schwarzen Haaren haben braune Augen (das wäre das übliche Genre), aber es gibt auch blonde Kinder mit braunen Augen oder schwarzhaarige Kinder mit blauen Augen – und die sind mit Sicherheit genauso großartig.

Hast du schon einmal eine Lesung veranstaltet?

Oliver: Ich habe früher oft Lesungen gemacht, aber inzwischen habe ich keinen Bock mehr darauf, weil es sich eigentlich nie auszahlt. Man reist durch die Gegend für ein paar Cent, das ist mir zu blöd. Ich hatte aber nie Angst vor Lesungen wie viele Autoren, ich bin kein schüchterner Typ. Schon in der Schule waren meine Referate immer auch ein Stück Entertainment.

Was ist das Besondere an deiner Art zu schreiben?

Oliver: Ich weiß nicht, vielleicht die Mischung aus Realem und Surrealem. Meine Geschichten spielen zwar immer im Hier und Jetzt, also in der Realität, die dann aber plötzlich unwirkliche Züge annimmt, und eine Freundin hat mal gesagt: „Du schreibst über Situationen und Menschen, denen man sonst nur im Traum begegnet.“ Das trifft es vielleicht ganz gut.

Wie sieht es mit deiner Disziplin aus? Bist du eher ein Tag- oder Nachtarbeiter?

Oliver: Ich bin ein notorischer Nachtarbeiter, und ich bin auch ziemlich diszipliniert, was viele mir nie zugetraut hätten, denn in der Schule war ich es nicht und in meinen früheren Nine-to-five-Jobs auch nicht. Ich glaube, zu Disziplin gelangt man erst, wenn einem die eigene Arbeit wirklich Spaß macht.

Wie gehst du mit Deadlines und der Erwartungshaltung deiner Leser um?

Oliver: Ich versuche, immer zuverlässig zu sein, auch wenn ich dafür mal ein paar Nächte durchmachen muss. Und ich versuche auch, immer so perfekt wie möglich zu sein. Deshalb habe ich zum Beispiel an einem 150-Seiten-Roman wie der „Klavierbrücke“ über zwei Jahre gesessen. Wenn ich nach Akkord bezahlt würde, wäre ich längst verhungert. 


Wie sieht es mit dem Traum von der eigenen Bekanntheit aus? Siehst du auch Nachteile?

Oliver: Es macht sicher Spaß, wenn einen viele Leute kennen, aber so berühmt wie ein Hollywood-Star würde ich nicht sein wollen, weil ich einfach viel Ruhe brauche und es nicht ertragen könnte, die ganze Zeit von Fans oder der Presse umzingelt zu sein. 
 
Welche Eigenschaften sollte ein zukünftiger Autor mitbringen?

Oliver: Hemingway hat mal gesagt: Zehn Prozent Inspiration und neunzig Prozent Transpiration. Das ist natürlich übertrieben, aber im Prinzip stimmt es. Wer erst wartet, bis die Muse ihn küsst, wird nie ein Buch zu Ende schreiben. Als Autor sollte man die Ärmel hochkrempeln können.

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie ist an dem Spruch, daß Genie und Wahnsinn nahe beieinander liegen, tatsächlich was dran. Zumindest fanden sich in den Gehirnen kreativer und künstlerisch tätiger Menschen Veränderungen, die denen geistig kranker Menschen ähnelten. Wie denkst du darüber? Sind Schriftsteller eine besondere Spezies?

Oliver: Ich glaube schon, dass jede Art von Künstlern – ob Schriftsteller, Maler oder Musiker – emotionale Ausnahmeerscheinungen sind.  In der Schule lernen wir, logisch zu denken, aber wer Kunst erschaffen will, muss in der Lage sein, auch unlogisch zu denken. Hinzu kommt bei mir eine fast schon pathologische Sensibilität, so als lägen die Nerven außen auf der Haut. Meine Stimmung kann von einer Sekunde auf die andere völlig umschlagen. Aber wem der Himmel eine Gabe verleiht, dem verleiht er auch eine Knute.

Wie sieht für dich der ideale Verlag aus?

Oliver: Ich arbeite gern mit kleinen und mittelgroßen Verlagen zusammen, weil man da als Autor noch individuell betreut und vor allem auch respektiert wird. Die pfuschen dir nicht in deinen Texten herum und lassen dich auch mitreden bei  Layout, Covergestaltung und so weiter. Was bringt es mir, wenn ich bei einem großen Publikumsverlag eine Mark fünfzig mehr pro Kapitel verdiene, aber was da letztendlich verkauft wird, ist nicht mehr mein Buch, sondern etwas, das sich an den sogenannten Marktansprüchen orientiert? Ich bin ja keine Boyband mit einer vorgegebenen Choreographie.

Viele Autoren veröffentlichen ihre Bücher inzwischen ohne Verlag, manche mit ganz beachtlichem Erfolg. Das eBook ist im Kommen, Verlage versuchen sich an völlig neuen Konzepten. Wie stellst du dir den Buchmarkt in zehn Jahren vor?

Oliver: Das eBook wird sich auf jeden Fall steigender Beliebtheit erfreuen, aber ich glaube auch, dass der Print dadurch nicht sterben wird, sondern dass die meisten Titel dann eben in beiden Varianten erscheinen. Und Selbstverleger verstehe ich gut, auch wenn der Markt in qualitativer Hinsicht dadurch natürlich auch unüberschaubar wird.

Worauf dürfen wir uns als nächstes aus deiner Feder freuen? Woran arbeitest du gerade?

Oliver: Ich habe soeben die Rohfassung eines Romans fertig geschrieben, der völlig anders sein wird als die „Klavierbrücke“: Ein Buch, das von sexueller Ausbeutung handelt und einige verdammt harte Szenen enthält, die sicher nicht jeder Leser goutieren wird. Aber das ist auch so ein Ding: Wenn ich einen Text fertig habe, will ich danach nicht wieder was schreiben, das nur dasselbe in Grün ist. Das wäre ja fad. 

Ganz herzlichen Dank, lieber Oliver, für die interessanten Einblicke.

Und wenn Sie, liebe Leser, sich jetzt gerne näher über Oliver Fehn und seine Bücher informieren möchten, schauen Sie doch einmal auf seiner Amazon-Autorenseite oder auf seinem Blog vorbei. 


Nächsten Freitag im Interview: Bestsellerautorin Nele Neuhaus