Donnerstag, 23. April 2015

Was dahintersteckt II

Ein weiser Mensch hat einmal gesagt, man solle als Autor am besten über ein Thema schreiben, von dem man auch etwas versteht. Nun teile ich diese Ansicht nur bis zu einem gewissen Grad, denn wer will schon immer über dasselbe Thema schreiben - oder schlimmer noch - immer dasselbe lesen? Trotzdem fand und finde ich den Gedanken recht spannend, ein paar autobiographische Details einzustreuen, was ich auch bei einigen meiner Geschichten getan habe.

Beispielsweise spielt eine meiner Kurzgeschichten mit dem Titel "Nach Feierabend" in einem Geschäft für Heimtextilien. Schon mehrmals wurde ich von Lesern darauf angesprochen, wie lebensecht die Umgebung in diesem Text doch beschrieben sei. Kein Wunder, denn genau in diesem Geschäft habe ich mehrere Jahre lang gearbeitet, allerdings trug es in Wirklichkeit einen anderen Namen, und einem mordenden Ungeheuer bin ich in dieser Zeit auch nicht begegnet. Die Räumlichkeiten aber, das Lager, das Büro und selbst die Probleme mit der Beleuchtung und dem Telefon entsprechen meiner Erinnerung.
Auch die Kollegin der Protagonistin hat es wirklich gegeben, und ja, sie war genauso nervig wie in der Geschichte beschrieben.

Allerdings hat sie uns damals unter weitaus erfreulicheren Umständen verlassen, als es die arme Sabine in meiner Geschichte tut. Und wer jetzt Lust aufs Lesen bekommen hat, "Nach Feierabend" ist in meiner kleinen Kurzgeschichtensammlung "Wunschlos tot" enthalten. :)

Samstag, 4. April 2015

Österliche Grüße

Ihr Lieben,

da besonders die Kinder dem Osterfest immer eifrig entgegenfiebern, habe ich euch heute eine etwas ältere Kurzgeschichte mitgebracht, die noch aus der Zeit stammt, als meine Süße im Kindergartenalter war. Vielleicht habt ihr ja auch Kinder, die daran Gefallen finden, oder ihr gehört selbst zu den junggebliebenen Lesern.
Ich habe diese Geschichte übrigens oft für Kindergeburtstage verwendet. Jedes Kind durfte ein Tier aus dem Text darstellen und immer, wenn dieses Tier erwähnt wurde, die entsprechenden Geräusche von sich geben. Das gab besonders gegen Ende, wenn Hund, Katze, Kuh, Schaf, Schwein und Hahn gemeinsam auftreten, ein wirklich tolles Konzert.

Euch allen ein wunderschönes und gesegnetes Fest mit Superwetter und vielen bunten Eiern.
Herzliche Grüße

Eure Birgit



Das Konzert der Tiere


Auf dem Hof von Bauer Schnapp gab es viele Tiere. In seinem Stall lebten die Kuh, das Schaf und das rosa Schweinchen. In einer großen Hütte wohnte der Hund, und die Katze schlief meistens auf einer der Fensterbänke.
Aber es gab noch jemanden, nämlich den Hahn. Der hatte seinen Lieblingsplatz hoch oben auf dem Misthaufen.
Jedes Tier hatte seine Aufgabe: Die Kuh gab gute Milch, das Schwein fraß all die Sachen, die der Bauer nicht aufessen konnte, sogar die Kartoffelschalen, die Katze fing die Mäuse, das Schaf schenkte Bauer Schnapp mit seiner Wolle jedes Jahr einen dicken Winterpullover, und der Hund passte auf, dass kein Fremder auf den Hof kam. Die wichtigste Aufgabe aber hatte der Hahn.
Jeden Morgen stand er auf seinem Misthaufen und krähte laut sein Kikerikiiii, sodass alle anderen erwachten. Dann sprang Bauer Schnapp aus dem Bett und fütterte als erstes seine Tiere, bevor er selbst frühstückte.
Aber eines Morgens krähte der Hahn nicht, und der Bauer schlief viel zu lange.
„Wo bleibt denn meine Milch?“, beschwerte sich die Katze.
„Ich bin noch nicht gemolken“, jammerte die Kuh.
„Ich habe solchen Hunger“, knurrte der Hund.
Sie waren sehr unzufrieden.
Das Schwein wartete ungeduldig, weil Bauer Schnapp ihm frisches Stroh für seine Box versprochen hatte, und das Schaf wollte hinaus auf die Weide.
Endlich wachte der Bauer auf. Er bekam einen furchtbaren Schreck, weil es schon so spät war.
„Wo ist der Hahn?“, rief er mit lauter Stimme, aber keiner hatte ihn gesehen.
Endlich kam der Hahn mit hängendem Kopf hinter dem Hühnerstall hervor.
„Warum hast du den Bauern nicht geweckt?“, fragte die Katze vorwurfsvoll.
„Wir hatten solchen Hunger“, sagte der Hund.
„Ich konnte nicht“, krächzte der Hahn leise und flatterte unglücklich hin und her. „Mein Hals tut weh, und ich habe meine Stimme verloren. Ich kann nicht mehr krähen.“
„Nun“, erklärte das Schaf. „Dann muss das eben jetzt einer von uns übernehmen, bis du wieder gesund bist.“
„Muh!“, machte die Kuh. „Wie klingt das?“
„Zu leise, davon wacht der Bauer bestimmt nicht auf“, erklärte das Schwein. „Und ich kann auch nicht lauter grunzen.“
„Mein Mäh-Mäh wird er auch nicht hören“, sagte das Schaf enttäuscht.
Der Hahn sah sehr traurig aus.
„Was sollen wir tun?“
„Ich weiß!“, rief die Kuh. „Die Katze kann laut schreien. Sie soll uns wecken.“
Aber die Katze schüttelte den Kopf.
„Ich muss die ganze Nacht Mäuse jagen, da werde ich nicht so früh wach.“
„Bei mir ist es das gleiche“, bellte der Hund. „Die ganze Nacht passe ich auf, dass sich kein Dieb auf den Hof schleicht, da bin ich morgens zu müde.“
„Dann werdet ihr jetzt wohl jeden Morgen ein wenig länger auf euer Futter warten müssen“, sagte Bauer Schnapp und ging in den Schuppen, um seinen Traktor zu holen.
Der Hahn wurde immer unglücklicher.
„Ich fühle mich so nutzlos“, krächzte er.
Da hatte das Schwein eine Idee.
„Du bist zwar heiser, aber du wirst trotzdem als Erster wach“, grunzte es.
„Genau!“, rief das Schaf. „Der Hahn soll zu jedem von uns hinfliegen und uns wecken.“
„Und dann?“, fragte die Katze.
„Das ist doch klar!“, erklärte die Kuh. „Wenn der Hahn seine Stimme verloren hat und einer von uns zu leise ist, dann müssen wir eben alle gemeinsam rufen.“
„Wenn das so ist“, sagte der Hund, „wenn alle mitmachen, bin ich auch dabei.“

Und genauso machten sie es.
Der Hahn flatterte morgens zuerst in den Stall, um das Schwein, die Kuh und das Schaf zu wecken, anschließend zog er die schläfrige Katze am Schwanz, bis sie die Augen aufmachte, und pickte dem Hund, der  morgens besonders fest schlief, so lange auf die Nase, bis der auch wach wurde.
„Bei drei!“, rief das Schaf, und alle zählten: 1-2-3!
Dann riefen sie, so laut sie konnten. Das war ein Konzert, Kuh, Hund, Katze, Schwein und Schaf brüllten so laut, dass sogar die Leute vom Nachbarshof noch aus ihren Betten fielen.
Der Hahn aber tanzte auf seinem Misthaufen herum, glücklich darüber, dass er so gute Freunde hatte.
Bauer Schnapp kam gutgelaunt aus dem Haus und freute sich mit ihm.

Das ist inzwischen schon eine Weile her, und der Hahn hat längst seine Stimme wieder und kräht jeden Morgen sein fröhliches Kikerikiii, aber ab und zu, an besonders schönen Tagen, da unterstützen ihn seine Freunde wieder.
Dann rufen Schwein, Kuh, Hund, Schaf und Katze es aus vollen Kehlen heraus:
„Guten Morgen, lieber Hahn! Wir freuen uns, dass du da bist.“ 

Birgit Böckli 


PS: Wer gerne weitere Kindergeschichten von mir kennenlernen möchte, dem darf ich den kleinen Held vom Fensterbrett empfehlen, erhältlich als eBook und als Taschenbuch.